In die Welt

eintauchen

„Ich genieße die Erfahrung in vollen Zügen“

Elizabeth

Einsatzort: Marburg, Deutschland

Organisation: Ecoselva

Elizabeth Lauredant stammt aus Haiti und kam mit der Aufnahmeorganisation Ecoselva nach Deutschland. Im Botanischen Garten Marburg kann sie ihren Beruf ausüben und sich neues Wissen aneignen.

Ich kam im September in Deutschland an und wusste vom ersten Tag an, dass es ein unvergessliches Abenteuer werden würde. Deutschland ist ein sehr schönes Land und ganz anders als mein Geburtsort, sei´s vom Klima, der Infrastruktur, dem politischen System oder der Kultur her.

Als ich Deutschland ankam, fragte ich mich, wie es sein würde, in einer Stadt zu leben, die ich nicht kenne, ein neues Leben zu beginnen, in einer Gastfamilie, aber das Einführungsseminar war sehr hilfreich, da es mir eine Vorstellung davon vermittelte, wie bestimmte Dinge in diesem fremden Land funktionieren.

Drei junge Menschen sitzen nebeneinander: Elizabeth sitzt in der Mitte. Der junge Mann neben Elizabeth hat eine Kochschürze an, die junge Frau hat eine „Babuschka“ vor sich stehen. Alle drei haben die Arme umeinander gelegt.

Der Respekt für die Kultur

Hier ist alles sehr gut organisiert. Pünktlichkeit ist eine der wichtigsten Anforderungen und wenn man sich in diesem Land anpassen will, muss man pünktlich zur Bushaltestelle, zur Arbeit, zu einem Termin oder zu was auch immer. Nur eine Minute Verspätung kann den Verlauf deines Tages verändern.

Die Sprache

Deutsch ist nicht die einfachste Sprache der Welt. Im Oktober belegte ich einen Deutsch-Intensivkurs, der mir sehr dabei geholfen hat, mich auf einfache Weise zu verständigen, jedoch nicht ausreicht, um eine lange und interessante Unterhaltung zu führen. Das Beste, was ich gerade tue, ist, meine Sprachkenntnisse eigenständig zu erweitern, doch auch das ist nicht ausreichend. Dank meiner Englischkenntnisse kann ich mich jedoch fast überall verständigen.

Das Wetter

Auch das Wetter möchte ich unbedingt eingehen, denn der Übergang von einem tropischen Land zu einem Land, in dem die Temperatur im Februar auf -10°C fällt, war schon extrem. Es wird auch sehr früh dunkel und ich habe das Gefühl, eine Ewigkeit auf der Arbeit zu verbringen und sehr müde zu sein. Es bleibt einem nur übrig, sich warm anzuziehen und auf den Sommer zu warten.

Die Ernährung

In Deutschland ist die Ernährung insgesamt gesünder. Das Essen ist geschmacklich etwas unterwürzt, aber immerhin gibt es viele, sehr leckere Brot- und Käsesorten, die mir in der Übergangszeit geholfen haben, bis sich mein Magen an das deutsche Essen gewöhnt hat. Und irgendwann kommt man schließlich zurecht: Ich weiß jetzt besser, was ich mag und koche mehr.

Mein Arbeitsplatz

Mein Arbeitsplatz ist der Botanische Garten der Philipps-Universität in Marburg. Er bietet auf einer Fläche von rund 20 Hektar ein abwechslungsreiches Außengelände sowie einen Gewächshauskomplex mit acht Ausstellungshäusern. Ich habe keinen festen Arbeitsplatz, sondern arbeite jeden Tag mit einer anderen Person in dem entsprechenden Bereich. Jeden Morgen müssen wir das Laub einsammeln, die Gänge reinigen und das Tropenhaus gießen. Danach wird gefrühstückt und die Tagesarbeit zugeteilt, ob es sich um Orchideen- oder Baumschnitt, Samenauswahl, Substratvorbereitung oder Pflanzenvermehrung handelt. Wenn es eine Veranstaltung gibt, arbeite ich beim Dekorieren oder beim Aufräumen mit. Der Botanische Garten bietet mir auch die Möglichkeit, verschiedene Seminare an der Universität zu besuchen und neues Wissen zu erwerben.

Meine Kolleginnen und Kollegen

Das Personal hier ist sehr freundlich. Als ich ankam, wurde ich sehr herzlich empfangen, alle lächelten mich an und versuchten, sich mit mir zu unterhalten. Man schenkte mir warme Winterkleidung und Süßigkeiten. Wenn jemand Geburtstag hat, bringt man Kuchen mit oder organisiert ein Frühstück für die Kolleginnen und Kollegen. Jeden Monat gibt es ein Grillfest, an dem alle teilnehmen und Zeit mit den anderen verbringen können – manchmal braucht man nicht einmal einen Anlass, um sich auszutauschen.

Trotz gelegentlicher Schwierigkeiten ist es ein sehr interessanter Arbeitsplatz, und ich mag ihn sehr, weil er mir erlaubt, meinen Beruf auszuüben und neue Kenntnisse zu erwerben.

Elizabeth steht in einem Arbeitsraum hinter einem Tisch mit Blumen und mehreren Torten. In der Hand hält sie ein eingepacktes Geschenk.
Geburtstag im Botanischen Garten

Meine Gastfamilie

Elke und Berthold sind meine Gasteltern. Sie sind sehr nett und haben mir vom ersten Tag an das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein. Jeden Nachmittag trinken wir zusammen einen Kaffee und erzählen uns, was wir den Tag über gemacht haben; manchmal kochen wir deutsches Essen oder ich bereite ein typisches Gericht aus meinem Land zu. Am Wochenende frühstücken wir gemeinsam und wenn ich länger schlafe als sonst, bringt mir Elke einen Cappuccino ins Zimmer, um mir einen guten Morgen zu wünschen.

Durch die Art und Weise, wie sie mich behandeln, fühle ich mich wie ein Teil ihrer Familie, und ich werde mich immer an die Zeit mit ihnen erinnern.

Wir unternehmen auch andere Dinge zusammen: so gehen wir zum Beispiel zusammen ins Schwimmbad, ins Kino oder zu Salsa-Fitnesskursen. Wir verbrachten ein wunderschönes Weihnachtsfest mit ihren Kindern, gingen zusammen in die Kirche, bereiteten gemeinsam das Weihnachtsessen vor und verteilten unsere Geschenke. Sie haben immer ein offenes Ohr für meine Probleme und sind bereit, mir zu helfen, wo sie nur können. Durch die Art und Weise, wie sie mich behandeln, fühle ich mich wie ein Teil ihrer Familie, und ich werde mich immer an die Zeit mit ihnen erinnern.

Meine Freizeit

In meiner Freizeit besuche ich oft die hessischen Städte, ebenso meine Freunde, die in anderen Orten wohnen. Auch plane ich, andere Länder zu bereisen. Unter der Woche besuche ich Salsa-Fitnesskurse, tanze Salsa und bald werde ich mit Schwimmen anfangen. Ich bin aber nicht immer am Feiern – manchmal bleibe ich einfach zu Hause und genieße die Gesellschaft meiner Gasteltern, lese ein Buch oder lerne Deutsch.

Diese ersten vier Monate in Deutschland haben mir geholfen, ein unabhängigerer und selbstbewussterer Mensch zu werden, ich sehe die Welt mit anderen Augen, stoße an meine Grenzen, sammle Arbeitserfahrung und lerne wunderbare Menschen kennen. Obwohl ich an manchen Tagen mein Zuhause und meine Familie vermisse, sage ich mir, dass dies eine einmalige Gelegenheit ist, und ich genieße sie IN VOLLEN ZÜGEN!