weltwärts
gehen

Wissen, worauf Mensch sich einlässt

weltwärts-Vorbereitungsseminar

Saskia

Einsatzort: Lima, Peru

Organisation: Welthaus Bielefeld

Saskia Heineken ging weltwärts nach Lima, Peru, um dort einen Verein in seiner Arbeit mit Kindern mit Behinderung und ihre Mütter zu unterstützen. Von ihrer Entsendeorganisation wurde sie auf ihr Jahr in Peru vorbereitet. Die pädagogischen Seminare vermitteln den Freiwilligen ein realistisches Bild von den zu erwartenden Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Peru ist ein unglaubliches Land! Ich fand die Landschaft wunderschön, das Essen lecker und die Menschen mit ihrer Kultur und ihrer Lebensfreude begeisternd! Will man dieses faszinierende Land näher kennenlernen, so ist eine intensive Vorbereitung notwendig, denn Peru ist auch geprägt von seiner Geschichte, von Zeiten der Gewalt, des Terrorismus, der Angst, auch von Rassismus und einem tiefen Graben zwischen Arm und Reich.

Die Freiwillige posiert vor dem Stadtteil „Nueva Esperanza“ in Lima.
Die Freiwillige im Stadtteil „Nueva Esperanza“ in Lima. Hier unterstützte sie Familien und ihre pflegebedürftigen Kinder.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

In den Vorbereitungsseminaren vor meiner Ausreise ging es um genau diese Themen. Für mich waren die Vorträge und Workshops zu Geschichte und Politik hilfreich, um die sozialen Konflikte verstehen zu können, die bis heute andauern. Und auch die Erfahrungsberichte der ehemaligen Freiwilligen, die uns von interkulturellen Konfliktsituationen und ihrem persönlichen Kultur-Clash erzählten, haben mir geholfen. Neben der Beschäftigung mit der Geschichte und der kulturellen Vielfalt Perus war in der Vorbereitung für mich persönlich die Auseinandersetzung mit dem Ursprung und der Problematik von Rassismus und Sexismus sehr wichtig.

Andere Art des Sexismus

Auch in Deutschland gibt es Sexismus. Die Art des in den Seminaren thematisierten Sexismus war jedoch für mich neu. Anzügliche Bemerkungen auf der Straße oder dumme Hinterherrufe war ich aus meinem Umfeld nicht gewohnt. Aus den Erfahrungsberichten ehemaliger Freiwilliger ergab sich der Eindruck, dass Erwiderungen und Diskussionen oft das Gegenteil bewirkten: Statt Einlenken und Entschuldigungen können so eher noch mehr anzügliche Bemerkungen provoziert werden. Auch die anderen Themen spielten in meinem Alltag als Freiwillige eine große Rolle, so hat der Terrorismus viele Spuren in der Gesellschaft hinterlassen und ich habe die Menschen als sehr gespalten erlebt, wenn es um die Politik geht. Aber auch Diskriminierung und Rassismus äußerten sich auf viele Arten. Als „Weiße“, als Europäerin, wurde ich häufig bevorzugt behandelt, während die indigenen Hochlandbewohnerinnen und -bewohner von ihren Landsleuten aus der Stadt meist sehr schlecht behandelt wurden.

Die innigen Freundschaften, die ich mit den Familien geschlossen habe, bleiben auch über die Zeit bestehen.

Eigene Erfahrungen machen

In einem Vorbereitungsseminar können nicht alle Themen ausführlich vermittelt werden, außerdem soll jede und jeder Einzelne eigene Erfahrungen machen, Land und Leute unvoreingenommen kennenlernen und Spuren hinterlassen. So habe ich aus meiner Arbeit mit Kindern mit Behinderung und ihren Familien sehr viel mitgenommen. Ihre Großzügigkeit, die Gespräche, das Zusammensein und die Geburtstage waren für mich sehr besonders. Im Gegenzug konnte ich ihnen meine Zeit geben, Zeit, in der ich mit den Kindern und Geschwistern arbeitete, Zeit, die ich den Müttern gab, um den Haushalt zu erledigen oder auch einfach mal durchzuatmen.

Es ist der Austausch, das Voneinander-Lernen und das gemeinsame Entwickeln neuer Traditionen aus den verschiedenen Kulturen, was den Freiwilligendienst so besonders macht.

Freundschaften bleiben bestehen

Die innigen Freundschaften, die ich mit den Familien geschlossen habe, bleiben auch über die Zeit bestehen. So nehme ich weiter an ihrem Leben teil – und sie an meinem. Über die sozialen Medien bleiben wir in Kontakt, tauschen Fotos aus, schreiben uns Anekdoten aus dem Alltag und lassen auf diesem Wege unsere enge Bindung nicht abbrechen. Wir lernten und lernen weiterhin unsere Kulturen kennen, wir bauen Brücken zwischen unseren Ländern. So zeigte ich den Kindern zu Weihnachten, wie deutsche Plätzchen gebacken werden, und sie mir, wie das traditionelle peruanische Weihnachtsgebäck, Panettone mit heißer Schokolade, zubereitet wird. Und am Ende gab es beides zum Essen.

Gruppenfoto beim Zwischenseminar in Peru
Zwischenseminar in Peru: Austausch, Reflexion und Voneinander-Lernen.

Es ist der Austausch, das Voneinander-Lernen und das gemeinsame Entwickeln neuer Traditionen aus den verschiedenen Kulturen, was den Freiwilligendienst so besonders macht. Ich glaube, ich habe keine großen Spuren in Peru hinterlassen, aber umso mehr in den Herzen der Menschen, so wie sie in meinem. Es sind doch die Menschen, die ein Land ausmachen, die es zu dem machen, was es ist und werden soll. Mauern und Zäune halten uns nicht davon ab, uns kennenzulernen, aufeinander zuzugehen und die Hindernisse gemeinsam einzureißen.