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Krisen, Krieg und Klimawandel: Die Jugend weltweit steht vor vielen Herausforderungen. Anlässlich des Internationalen Tages der Jugend stellt Mia ihr Engagement in Argentinien, Los Polvorines vor. Nach ihrem Abitur im März 2024 ging es für die 20-jährige mit der weltwärts-Organisation Ökumenewerk der Nordkirche ins Ausland. Mit dem Wunsch, die Welt zu sehen, eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen sowie neue Freundschaften zu knüpfen, reiste sie nach Argentinien. Ihre Hauptmotivation: ein Perspektivenwechsel. Mia berichtet über ihre Einsatzstelle „En Acción“, ihren Alltag und was junge Argentinier*innen gerade bewegt.
Mia: Bereits in meiner Kindheit nahm ich an zahlreichen Freizeiten, Sportangeboten und Zeltlagern teil. Besonders im Rahmen meines Jugendverbandes Jugend-Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL) besuchte ich wöchentlich mit anderen Kindern meines Alters Gruppenstunden in denen wir spielten, bastelten, kochten und Ausflüge machten. Die Zeit innerhalb des Jugendverbandes hat mir schon in meiner Kindheit unglaublich viel Spaß gemacht. Hier entstand auch meine Motivation mich sozial zu engagieren. Ich wollte damit anderen Menschen die gleiche Freude und schönen Erfahrungen bereiten, die ich erleben durfte. Außerdem konnte ich bisher durch soziales Engagement immer wieder großartige Menschen kennenlernen und neue Freundschaften zu knüpfen.
Mia: EnAcción ist eine Initiative der Fundación Actuar Hoy, die gemeinsam mit Bewohnern des „Barrios“ (=Nachbarschaft), einen Ort schaffen soll, an dem Menschen sicher und behütet spielen, Sport treiben, Zeit verbringen, sich ausleben und entwickeln können. Es ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen aller Altersgruppen, damit sie innerhalb ihres Barrios Kontakte knüpfen und sich austauschen können. Ein Schwerpunkt bei unserer Arbeit ist die Drogenprävention. Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben oder denen stabile familiäre Strukturen fehlen, laufen hier oft Gefahr mit Drogen in Kontakt zu kommen. Um dem vorzubeugen, soll das Projekt eine Anlaufstelle sein. EnAcción hat beispielsweise ein Ärzteteam, welches Beratungen und Kurse zu gesundheitlichen Thematiken anbietet. Regelmäßig finden zusätzliche Hausbesuche statt, bei denen Referent*innen zu den Teilnehmenden nach Hause gehen und mit ihnen sowie ihren Familien reden und beobachten, wie die Situation vor Ort ist. Dies ist eine Möglichkeit um die Jugendlichen auch vor familiärer Gewalt zu schützen. Bei EnAcción geht es um Austausch und das Bilden von Gemeinschaft und dadurch Sicherheit und Verbindungen zu schaffen.
Mia: Es gibt viele Angebote, aber das „Equipo de Deporte“ (=Sportteam) ist wohl das Beliebteste von allen. Hier haben die Jugendlichen die Möglichkeit, in unterschiedlich zusammengesetzten Teams Fußball zu spielen. Neben dem Sportprogramm gibt es zahlreiche Workshops, in denen sich die Jugendlichen künstlerisch und kreativ ausleben oder beispielsweise tanzen können. Diese Angebote werden auch von vielen Rentner*innen besucht, bei denen die Bewegungs- und die Kochworkshops sehr beliebt sind. Ein weiteres Angebot richtet sich an die Allerjüngsten: Um Familien zu entlasten und ihnen während der Mittagspause die Kinderbetreuung abzunehmen, können die 2-4-Jährigen bei der „A jugar la siesta“ betreut basteln, malen, spielen und backen.
Mia: Mein Tag beginnt meistens gegen 09:00 Uhr mit „Mantenimiento" (=Instandhaltungsaufgaben) – gemeinsam mit dem Hausmeister wird geputzt, Rasen gemäht, Dinge repariert und Müll vom Gelände eingesammelt. Bei einem Mate-Tee setzen wir uns danach noch kurz zusammen und unterhalten uns. Nach meiner Mittagspause haben wir um 14:30 Uhr ein Teammeeting. Im Anschluss unterstütze ich dann die verschiedenen Workshops oder das Betreuungsangebot für die jüngsten Kinder. Gegen 16:30 Uhr werden alle Angebote dann mit der "Merienda" (=Mittagssnack/Kaffee und Kuchen) beendet. Um 18 Uhr beginnt das Fußballtraining, das ich vorher vorbereite. Pro Wochentag trainieren immer zwei Teams unterschiedlicher Altersgruppen. Ich begleite dabei entweder das Team der 5-10-Jährigen oder das der 10-15-Jährigen. Nach dem Aufwärmen und Übungen zur Kräftigung oder Technik wird dann gegen Ende eine Partie gespielt, bei der sich die Referenten auch gerne anschließen. Gegen 20 Uhr schließt EnAcción seine Türen. Für mich geht es dann nach Hause, wo ich koche, esse und meist mit Spielen den Abend gemeinsam mit meinen drei Mitbewohnern ausklingen lasse.
Mia: Man merkt auch in meinem Projekt, dass Mileis Maßnahmen für viel Unzufriedenheit sorgen. Die Menschen lassen sich oft über die Regierungspolitik Mileis aus. Es ist für einige ein sehr emotionales Thema, da dieser politische Wechsel viele Gefühle wie zum Beispiel Wut oder Zukunftsangst hervorruft. Vor allem Jugendliche sind stark davon betroffen, da die Privatisierung des Bildungssystems unter anderem dazu führt, dass Universitäten und Schulen teuer werden. Jugendlichen aus ärmeren Gegenden wird somit eine Chance auf Bildung verwehrt, da sie sich das nicht mehr leisten können.
Mia: Viele Jugendliche sorgen sich um ihre Zukunft. Die Schulen sowie gute Universitäten sind oftmals privat und dadurch teuer. Viele Familien können sich also wichtige Bildungsmöglichkeit nicht leisten. Gezwungenermaßen entscheiden sich viele Jugendliche deshalb dazu nach Abschluss der „Secundaria“ (=weiterführende Schule) arbeiten zu gehen – in der Hoffnung sich das Studium später leisten zu können. Die Jugendlichen, die trotzdem studieren können dies meistens nur nebenbei machen, da ein Vollzeitjob zur Finanzierung notwendig ist. Oft sind Haushalte aber auch auf finanzielle Unterstützung der Kinder angewiesen, sobald diese alt genug sind, um zu arbeiten. Es gibt leider auch viele Jugendliche, die die Schule deshalb frühzeitig abgebrochen haben, da sie sich um jüngere Geschwister kümmern müssen, während die Eltern den Lebensunterhalt verdienen. Da einige Teilnehmende von EnAcción keinen Schulabschluss haben, bietet das Projekt auch eine Abendschule an, in der der Abschluss nachgeholt werden kann. Die zuständigen Referent*innen unterstützen die Jugendlichen zusätzlich in ihrem familiären Umfeld.
„Ich wünsche mir, dass alle Jugendlichen die Chance bekommen ihre Träume zu erfüllen und dass niemand Angst vor seiner Zukunft haben muss.“
Mia: Durch die starke Inflation gibt es nahezu keine festen Preise für alltägliche Produkte mehr. Dies betrifft beispielsweise Milcherzeugnisse, Obst und Gemüse. Seit ich im August 2024 hier ankam ist vieles merklich teurer geworden. Eine Busfahrt, die zu Beginn circa 30 ct kostete, kostet jetzt fast 60 ct. Da wir keine Waschmaschine haben, waschen wir unsere Wäsche auch regelmäßig in einem Waschsalon, der mittlerweile mit fast 10€ pro Waschmaschine auch doppelt so hoch ist wie bei meiner Ankunft. Für deutsche Verhältnisse werden die Preise hier in Argentinien noch einigermaßen günstig klingen – allerdings darf man nicht vergessen, dass die Löhne auch deutlich niedriger sind. Die Inflation ist eine extreme Belastung für die Bevölkerung hier vor Ort und sorgt für Missgunst gegenüber der Politik.
Mia: Ich habe das Gefühl, dass für viele Argentinier die „unbeschwerte Kindheit“ früher endet als sie das für mich getan hat. Viele müssen schon früh lernen mit großer Verantwortung für sich selbst, aber auch für andere – wie kleine Geschwister – umzugehen. Das verlangt große Selbstständigkeit in jungen Jahren. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir noch nie Sorgen um meine Ausbildung machen musste – auch in dem Wissen, dass, wenn ich studiere, meine Familie die Möglichkeit hat mich finanziell zu unterstützen. Als Gemeinsamkeit erlebe ich immer wieder einen hohen Stellenwert von Familie und Freundschaft in unserem Leben. Oft, wenn die Jugendlichen zum Fußballtraining ins Projekt kommen, sind sie - trotz ihrer teils eigenen schwierigen Situation – unbeschwert, hilfsbereit, offen und froh. Obwohl jeder doch sein eigenes Päckchen zu tragen hat, sind wir im Endeffekt doch ähnlich: Wir genießen unsere Jugend und haben eine schöne Zeit mit Freunden.
Mia: Ich wünsche mir, dass alle Jugendlichen die Möglichkeit bekommen ihre Träume zu erfüllen und dass niemand Angst vor seiner Zukunft haben muss. Alle Menschen – unabhängig von Religion, Herkunft, Kultur oder Geschlecht – sollten gerechte Chancen haben. Ich wünsche allen Kindern und Jugendlichen, dass sie nie ihren Mut verlieren und Menschen an ihrer Seite haben, die sie unterstützen.