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In die Welt
eintauchen
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Als Ramona 2013 ihren Rucksack packt und sich mit den Kolping Jugendgemeinschaftsdiensten nach Costa Rica aufmacht, hat sie ein einfaches Ziel: Der weltwärts-Freiwilligendienst in der Dorfgemeinschaft Longo Mai, einer Kooperative für Bürgerkriegsgeflüchtete aus El Salvador und Nicaragua soll für neue Perspektiven und frischen Wind sorgen. Wer hätte gedacht, dass dies später zum Grundstein einer Unternehmensgründung wird?
Ramona wohnt bei einer Gastfamilie, die wie viele Menschen im Süden Costa Ricas vom Kaffeeanbau lebt. Klar, dass sie in der Erntezeit mit auf den Feldern steht, Kaffeekirschen pflückt und direkt miterlebt, wie viel Arbeit und Wissen in jeder Bohne steckt - und wie wenig die Produzent*innen für die harte Arbeit erhalten. Jede Tasse Kaffee macht ihr deutlich, wie der globale Handel funktioniert und wie wichtig direkte Marktzugänge und faire Handelspraktiken für Produzent*innen, aber auch für bewusste Konsument*innen sind.
Der Wille, neue Wege zu gehen und den ausbeuterischen Strukturen im Kaffeehandel etwas entgegenzusetzen, führten 2020 zur Gründung der Kolping Röstwerkstatt Brakel gGmbH, einem Inklusionsunternehmen unter dem Dach des Kolping Bildungswerkes Paderborn, das für die Kaffeemarke Tatico des Kolpingwerkes Paderborn Spezialitätenkaffee aus fairem und direktem Handel röstet und vertreibt. Der Kaffee wird in Lateinamerika von Klein- und Kleinstproduzent*innen nachhaltig angebaut, in sorgfältiger Handarbeit geerntet, natürlich getrocknet und in Brakel handwerklich geröstet, ressourcenschonend und im Einklang mit Mensch und Umwelt.
Klasse statt Masse, viel Handwerk statt Vollautomatisierung. Gleichberechtigte und solidarische Zusammenarbeit im gesamten Betrieb, eine Inklusionsrösterei in Nordrhein-Westphalen, in der Menschen mit und ohne Behinderung und aus verschiedenen Kulturen zusammenarbeiten.
Das geht in alle Richtungen: Als weltwärts-Einsatzstelle für Süd-Nord-Freiwillige ermöglicht die Röstwerkstatt jungen Menschen aus der honduranischen Kaffeebranche, ein Jahr in Deutschland zu leben, die Röstkunst zu lernen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Ramona: Mein weltwärts-Jahr war der Ausgangspunkt für alles, was ich heute mache. Damals habe ich nicht nur eine neue Kultur kennengelernt, sondern gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Fähigkeiten, die heute den Kern meiner Arbeit als Unternehmerin ausmachen.
Ich habe erfahren, wie wichtig es ist, Projekte zu planen und Menschen zu motivieren – das brauche ich täglich bei der Leitung der Röstwerkstatt. Ich habe verstanden, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort ist, sondern eine Haltung, die sich in jeden Teil unserer Lieferkette widerspiegeln muss.
weltwärts hat mir gezeigt, wie man Brücken baut: zwischen Kulturen, zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und zwischen sozialem Engagement und wirtschaftlichem Denken. Diese Fähigkeit, global zu denken und lokal zu handeln, ist heute mein größtes Kapital – egal ob in Verhandlungen mit Produzent*innen in Lateinamerika oder im Team in Deutschland.
Zwölf Jahre nach meinem Freiwilligendienst fahre ich noch immer jedes Jahr nach Longo Mai. Meine Gastfamilie ist ein Teil meines Lebens geblieben. Und manchmal treffe ich Cristina, meine jüngste Gastschwester, die nach einem Freiwilligendienst in Deutschland ihre Ausbildung in der Pflege abgeschlossen und ihren eigenen Weg gefunden hat.
Traut euch! Ein weltwärts-Jahr verändert nicht nur euren Blick auf die Welt – es kann der Anfang von etwas Großem sein.