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Mit dem zweiten Herz in Kenia

Mathias

Einsatzort: Reru/Kisumu, Kenia

Organisation: Freiwillige Soziale Dienste im Erzbistum Köln

Ein Jahr mit weltwärts baut Brücken und hinterlässt Spuren. Für Mathias war seine Zeit in Kenia prägend, ein „Fußabdruck“ in seinem Leben, wie der Journalist und Content Creator heute sagt. Mathias hat über positive Nachrichten berichtet, digitale Storytelling-Formate ins Leben gerufen – und dabei nie den Blick fürs Globale verloren. Seine Queerness ist seit seinem weltwärts-Dienst für Mathias etwas Selbstverständliches. Doch vor Ort in Kenia muss er seine Sexualität erst mal unter den Teppich kehren. Später sagt Mathias, er habe erst danach realisiert, mit welchem Privileg er in Deutschland leben kann. Frei über den Umgang mit seiner Sexualität zu entscheiden. Ein weltwärts-Werdegang – mit Ecken und Kanten.

Queersein in Kenia

Kenia oder Deutschland? „Beides Heimat“ sagt Mathias, der von 2012 bis 2013 mit weltwärts in Ostafrika unterwegs war. Dort war er in der kleinen katholischen Gemeinde Reru tätig. Etwa 40 Kilometer entfernt liegt die Hafenstadt Kisumu, am Fuße des Victoriasees. In der ländlich geprägten Gemeinde betreibt die Erzdiözese Kisumu einen Ort für Wittwengruppen, einen Kindergarten sowie eine Primary und Secondary School. Mehrere Hundert Kinder, dazu ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Doch Selbstbestimmung der sexuellen Orientierung, das ist in Kenia ein schwieriges Thema.

Zu Beginn war sich Mathias gar nicht richtig bewusst, welche Wirkung der Perspektivwechsel durch seinen weltwärts-Austausch haben wird. Schon bei der Bewerbung hat ihm eine andere soziale Organisation abgesagt, da sie seine Sicherheit als queere Person nicht überall garantieren konnte. Dennoch konnte er seinen Traum verwirklichen und mit weltwärts sowie einer anderen Organisation nach Kenia ausreisen. Ein ganzes Jahr lang hat er seine sexuelle Orientierung unter den Teppich gekehrt. Nicht darüber gesprochen. Erst als er zurückkehrt, erzählt Mathias, wird ihm klar, welche Privilegien er in Deutschland genießt: „Dass ich in Deutschland entscheiden kann: will ich out sein – oder nicht?“

Der Weg zum Journalismus

Mathias hat aus dem Senegal, Griechenland, Kenia und Deutschland berichtet. Im Pandemie-Jahr 2020 erhielten Mathias und sein Team den Sonderpreis der Landesanstalt für Medien NRW für den Instagram-Kanal „@corona.report“. Von 2021 bis 2022 bekam er eine Förderung von YouTube als aufstrebender Content Creator.

Ein Auslandsfreiwilligendienst ist unglaublich bereichernd.

Der 34-Jährige machte nach seinem weltwärts-Jahr zunächst eine Ausbildung als Medienkaufmann. Danach ging er zur RTL-Journalistenschule in Köln, lernte viel – und setze das Gelernte auch schnell in die Tat um. Online ist Mathias zu Hause. Er entwickelt digitale Formate, zum Beispiel das Instagram-Hochkant-Format „Tellical“.

weltwärts als „Fußabdruck“

„Ein Auslandsfreiwilligendienst ist unglaublich bereichernd“, sagt Mathias über sein Jahr mit weltwärts. Sein Aufenthalt in Kenia hat sein Leben nachhaltig beeinflusst. Freundschaften, die ein Leben lang halten: mit den Menschen vor Ort, mit den anderen Freiwilligen im Projekt. Impulse, die ins Berufliche hinüberschwappen: ein geschärfter Blick für globale Ungerechtigkeiten, das Kennenlernen anderer Realitäten. Erfahrungen, die auf ewig bleiben: das Ankommen und Einleben in einer gänzlich fremden Kultur, der Austausch und die Eindrücke, die bleiben.

Deshalb lebt der Journalist heute „mit einem zweiten Herzen in Kenia“. Über die eigene Sexualität selbstbestimmt entscheiden, die eigenen Ziele verfolgen und nicht aufgeben: Für Mathias war seine Zeit im ostafrikanischen Kenia der „wohl größte Fußabdruck“ in seinem Leben. Ein Jahr habe er dort gelebt, geweint und gelacht, Menschen in einer bunten und lebensbejahenden Kultur kennengelernt. Für die Zukunft wünscht er sich den politischen Willen, dass Austauschprogramme wie weltwärts weiterhin bestehen und sich weiterentwickeln können.

Und er sagt: „Danke weltwärts!“