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In die Welt
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Ich war ein Jahr als weltwärts-Freiwilliger im peruanischen Dschungel. Dort habe ich mich bei der Nichtregierungsorganisation Camino Verde engagiert. Ich konnte nicht nur Einsichten über den Zusammenhang von Naturschutz mit lokalen Wirtschaftsstrukturen gewinnen, sondern mir auch aus umgestürzten Bäumen ein Haus bauen und selbst Schokolade herstellen. Meine Zeit dort war extrem bereichernd.
Camino Verde setzt sich in den Amazonasregionen Madre de Dios und Loreto für den Schutz der Artenvielfalt ein. Die Region ist stark bedroht durch Abholzung, Landwirtschaft und illegalen Goldabbau. Dabei habe ich schnell gelernt: Umweltzerstörung hat oft soziale Ursachen wie Armut und fehlende Alternativen. Genau hier setzt die Organisation an.
Was Camino Verde besonders macht, ist der Ansatz, Naturschutz mit besseren Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort zu verbinden. Der Regenwald kann nur dann geschützt werden, wenn die lokalen Gemeinschaften nachhaltige Einkommensmöglichkeiten haben.
Ein zentraler Bestandteil ist die Agroforstwirtschaft. Dabei werden verschiedene einheimische Pflanzen in Mischsystemen angebaut, die dem natürlichen Regenwald ähneln. Diese Systeme schützen Böden, fördern die Biodiversität und bieten gleichzeitig stabile Erträge.
Ich arbeite auf der Station Baltimori, mitten im Regenwald nahe des Tambopata-Nationalreservats. Ein großer Teil des Geländes ist unberührter Primärwald, während andere Flächen über viele Jahre hinweg mit einheimischen Baumarten aufgeforstet wurden. Diese Mischsysteme kombinieren unterschiedliche Pflanzenarten – von Nutz- und Obstbäumen bis hin zu Heilpflanzen – und orientieren sich am natürlichen Aufbau des Regenwaldes.
Schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, wie besonders dieser Ort ist. Denn hier wird sowohl geforscht als auch praktisch erprobt, wie nachhaltige Landwirtschaft und Wiederaufforstung zusammenwirken können.
Mein Alltag ist klar strukturiert, aber trotzdem sehr abwechslungsreich. Ich arbeite meist draußen in der Natur. Ein großer Teil meiner Arbeit findet in der Baumschule statt: Ich pflanze Samen und Setzlinge, gieße Pflanzen und kümmere mich um die Bestände. In den Agroforstsystemen schneide ich Bäume zurück, lichte Vegetation und pflanze neue Arten.
Mein Verständnis von Naturschutz hat sich grundlegend verändert.
Auch die Versorgung unserer Tiere gehört dazu – ich füttere Hühner und Enten und sammle Eier, die zu unserer Selbstversorgung beitragen. Regelmäßig ernte ich außerdem Früchte wie Bananen, Ananas oder Kakao. Viele dieser Pflanzen kannte ich vorher überhaupt nicht, was die Arbeit besonders spannend macht. Manchmal klettere ich dazu sogar auf Palmen, was mir besonders viel Spaß macht.
Neben der Arbeit im Grünen unterstütze ich auch in der Werkstatt. Ich baue einfache Möbel oder unterstütze bei Reparaturen. Besonders interessant finde ich die Arbeit mit Holz: Gemeinsam mit einem Mitarbeiter verarbeite ich umgestürzte Bäume zu Brettern und Balken, die wir dann zu einem Gebäude zusammenfügen. Es ist spannend, den gesamten Prozess mitzuerleben. Aus einem Baum wird ein Haus.
Eine meiner prägendsten Erfahrungen war die Verarbeitung von Kakao zu Schokolade. Ich habe jeden Schritt selbst miterlebt: vom Ernten der Früchte über das Fermentieren und Trocknen bis hin zum Rösten und Mahlen der Bohnen. Dabei wurde mir klar, wie viel Arbeit hinter einem Produkt steckt, das wir ganz selbstverständlich im Supermarkt kaufen können.
Auch wenn ich hauptsächlich auf der Station Baltimori arbeite, an der ich nicht direkt mit Menschen aus der indigenen Bevölkerung zu tun habe, habe ich viel über die Projekte mit lokalen Gemeinschaften gelernt. Meine beiden besten Freunde hier stammen beide aus indigenen Communitys und zum Teil sogar aus genau denen, mit denen Camino Verde zusammenarbeitet. Dadurch erfahre ich sehr viel über Sprache, Kultur, Kindheit und auch über aktuelle Probleme der Gemeinschaften.
Besonders beeindruckend finde ich, wie erfolgreich nachhaltige Ansätze hier umgesetzt werden – etwa durch vielfältige Agroforstsysteme oder die Imkerei mit einheimischen Bienen.
Mein Verständnis von Naturschutz hat sich grundlegend verändert. Heute weiß ich, dass es nicht ausreicht, einfach Bäume zu pflanzen. Wirklich nachhaltige Lösungen müssen auch wirtschaftlich und sozial funktionieren. Neben fachlichem Wissen habe ich auch viele praktische Fähigkeiten erworben: Ich arbeite mit Werkzeugen, kümmere mich um Pflanzen und habe ein besseres Verständnis für handwerkliche Tätigkeiten entwickelt. Gleichzeitig habe ich meine Teamfähigkeit gestärkt. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich inzwischen fast fließend Spanisch spreche.
Das Leben hier hat mich auch persönlich verändert. Der einfache Alltag, die körperliche Arbeit und die enge Verbindung zur Natur haben mir ein Gefühl von Ruhe und Ausgeglichenheit gegeben. Gleichzeitig hat die Distanz zu meinem gewohnten Umfeld meinen Blick auf Konsum und Lebensweise verändert.
Rückblickend bin ich unglaublich dankbar. Ich habe eine neue Verbindung zur Natur und ein besseres Verständnis für globale Zusammenhänge entwickelt. Diese Erfahrung stellt in meinem Leben etwas ganz Besonderes dar. Mein Freiwilligendienst bei Camino Verde wird mich noch lange nach meiner Abreise begleiten.