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In die Welt
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Ich bin Finja, 19 Jahre alt und komme aus Köln. Nach meinem Abi habe ich mich für einen “weltwärts”- Freiwilligendienst entschieden und war 2024/ 2025 mit Don Bosco Volunteers in Santa Cruz de la Sierra, in Bolivien. Dort habe ich im Mädchenheim und Schutzhaus Casa Main gearbeitet und durfte ein Jahr lang Teil einer einzigartigen Gemeinschaft sein.
Diese Frage habe ich in der Schulzeit unzählige Male gehört. Meine Standardantwort lautete früh: „Ich mache einen Freiwilligendienst.“ Damit war ich erst einmal aus der Schussbahn raus. Gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, diese Idee wirklich umzusetzen.
Damals hätte ich nicht gedacht, dass es mich einmal nach Bolivien verschlagen würde. Aber mit der Zeit wurde der Wunsch konkreter: Ich wollte Spanisch richtig sprechen lernen, mit Kindern arbeiten und für eine Weile ganz woanders leben. Über Recherchen stieß ich auf das Programm “weltwärts” und die Entsendeorganisation Don Bosco Volunteers – und dort fühlte ich mich direkt gut aufgehoben. Aus „Vielleicht gehe ich weg“ wurde mit der Zeit: „Ich gehe nach Bolivien.“
Vor meiner Ausreise wurde ich oft gefragt, ob ich keine Angst hätte, so weit weg zu gehen. Angst? Nicht direkt – aber Respekt. Eine Mischung aus Vorfreude, Unsicherheit und Neugier begleitete mich bis ins Flugzeug. Ich erinnere mich genau: Kurz vor der Landung dachte ich plötzlich – Was, wenn ich hier nicht klarkomme?
Zum Glück war das nicht der Fall. Durch die intensive Vorbereitung und das Teilen der Erfahrungen mit meiner Mitvolontärin haben wir uns gut eingelebt. Vor allem aber lag das an den Menschen vor Ort – und an dem Ort selbst: dem “Casa Main”.
Während meines Einsatzes lebte ich gemeinsam mit einer weiteren Freiwilligen auf dem Gelände unserer Einsatzstelle. Für derzeit ca. 58 Mädchen, ist das Casa Main Heim und Schutzhaus zugleich. Die Mädchen hier sind im Alter von 4 bis 18 Jahren. Sie sind aufgrund verschiedener Hintergrundgeschichten vor Ort: von Gewalterfahrungen zu psychisch kranken Eltern und Waisen, die Spannbreite ist groß. Im Casa Main bekommen sie neben einem sicheren Ort, an dem sie Geborgenheit, Unterstützung und neue Perspektiven finden vor allem eines: ein Zuhause. Auch wir wurden sehr herzlich aufgenommen. In meiner Zeit dort wurde viel gemeinsam gelacht, geteilt und gefeiert. Wer einmal dort ist, hat schnell das Gefühl in eine Großfamilie aufgenommen zu werden. So dauerte es nicht lange bis es auch für mich ein zweites Zuhause geworden ist.
Unter der Woche habe ich sowohl in der mit dem Heim verbundenen Grundschule als auch im Heim selbst unterstützt. Vormittags wurde ich in der Schule als Klassenassistenz und Unterstützung für Kinder mit Lernschwierigkeiten eingesetzt. Von Stifte spitzen bis Streit schlichten habe ich überall da angepackt, wo Jemand gebraucht wurde. Nachmittags ging es nach dem gemeinsamen Essen und der Mittagspause weiter im Casa Main mit Programm: Hausaufgabenbetreuung, Unterstützung beim Waschen und Putzen, Freizeitaktivitäten anleiten oder einfach Spielen. All dies waren feste Bestandteile meines Alltages. Auch das tägliche Rosenkranzgebet mit den Mädchen wurde schnell zu einem vertrauten Moment des Tages, obwohl es mir anfangs noch fremd war.
Ein besonderes Highlight in der Woche waren die Samstage. Dann öffnete das Casa Main seine Türen für Kinder aus der Nachbarschaft im Rahmen des sogenannten Oratoriums – eine bunte Mischung aus Spiel, Kreativangeboten und Sport. Ich hatte die Möglichkeit, meine Zirkuserfahrungen mit einzubringen. Indem ich Jonglage, Hula-Hoop, Einrad und Akrobatik Workshops gegeben habe, konnten die Kinder ein bisschen Zirkusluft mitnehmen.
Sonntags war Zeit für uns. Wir erkundeten oft die Stadt Santa Cruz, schlenderten über den Markt La Ramada, probierten lokale Spezialitäten wie Cuñapé oder Salteñas und ließen uns einfach treiben.
In unserer Freizeit konnten wir außerdem das Land bereisen – und die Vielfalt Boliviens hautnah erleben: die endlose Weite der Salar de Uyuni, den Regenwald, die Anden, Städte wie La Paz, Sucre und Potosí. Wir begegneten Faultieren, Affen, Lamas, Schlangen – und sogar rosa Flussdelfinen.
Seit meiner Rückkehr im September 2025 merke ich, wie sehr mich dieses Jahr geprägt hat. Ich habe gelernt, mit Unsicherheit umzugehen, offener und flexibler zu sein – und Dinge mehr wertzuschätzen. Vor allem aber habe ich erfahren, wie bereichernd es ist, sich auf andere Menschen und Lebensrealitäten einzulassen.
Wenn du darüber nachdenkst, einen Freiwilligendienst zu machen – mach es! Auch wenn du unsicher bist oder Zweifel hast: genau das ist normal. Wichtig ist nur, dass du dich traust, den ersten Schritt zu gehen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal ein Jahr in Bolivien leben, eine neue Sprache lernen und mich in eine völlig neue Gemeinschaft einfügen würde. Aber ich habe es gemacht – und es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.