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weltwärts nach der Ausbildung: Sinas Jahr in Bolivien

Sina

Einsatzort: La Paz, Bolivien

Organisation: VAMOS JUNTOS Freundeskreis Deutschland-Bolivien

Ausbildung, Studium, fertig? Oder doch Streetwork in Südamerika? Sina wollte mehr sehen, mehr erleben und mehr lernen. Deshalb ging sie mit weltwärts und Vamos Juntos in die quirlige Stadt La Paz. Dort brachte sie ihre Kenntnisse aus der Sozialen Arbeit ein, Theorie und Praxis: Denn Sina hatte bereits eine Erzieherausbildung hinter sich, was ihr bei ihrem Freiwilligendienst zu einem anderen Blickwinkel verhalf. Vor Ort lernte sie fürs Leben: weniger Konsum, mehr Miteinander.

Wie bist du auf das weltwärts-Programm und Vamos Juntos gestoßen?

Sina: In meiner Heimat gab es niemanden, der mal für längere Zeit im Ausland gewesen ist. Ich kannte weltwärts gar nicht. Meine Hochschule schreibt jedes Jahr eine Stelle bei Vamos Juntos für ein Praktikum in der Sozialen Arbeit aus. hat Es war zudem die einzig spanischsprachige Stelle an unserer Hochschule. Durch den Austausch mit einer Vorgängerin und verschiedene Seminare konnte ich mehr über das Arbeiten im Ausland und über Vamos Juntos erfahren, sowie über die Menschen, die hinter der Organisation stehen. Auch die Arbeit mit den Schuhputzenden fand ich super interessant. Das kannte ich so noch gar nicht – und ich wusste: Das ist eine einmalige Chance, in einem so einzigartigen Projekt mitzuarbeiten und eine komplett andere Arbeitswelt und Arbeitsweise kennenzulernen.

Du hast eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Was hat dich danach bewegt, mit weltwärts ins Ausland zu gehen?

Sina: Nach meiner Erzieherausbildung an einem Berufskolleg studiere ich mittlerweile im 6. Semester Soziale Arbeit. Ich konnte durch die Ausbildung und auch das Studium super viel von der Theorie anwenden, aber auch schon von meiner bisherigen Praxisarbeit. Trotz gelegentlicher Sprachbarrieren konnte ich sehr viel zur Arbeit mit den Schuhputzenden und ihren Familien beitragen. Es ist mir leichtgefallen, da ich in vielen Situationen wusste, wie ich handeln konnte. Selbst vorher schon eine Ausbildung gemacht und so viel Wissen mitgebracht zu haben – das war auf jeden Fall eine Bereicherung bei meinem Engagement vor Ort.

Hat der Freiwilligendienst deine Sicht auf deinen Alltag verändert?

Sina: Definitiv! Durch meinen weltwärts-Freiwilligendienst habe ich gelernt, mit weniger auszukommen und weniger zu konsumieren. Das haben mir die Menschen vor Ort gezeigt. Darüber hinaus habe ich einmal mehr gelernt, wie wichtig Beziehungsarbeit, Kommunikation und das Miteinander sind.

Nimm uns mit und erzähle uns, wie ein typischer Tag vor Ort in La Paz aussieht.

Sina: Ein typischer Arbeitstag ging neun Stunden, mit einer Stunde Pause. Morgens um 8:30 Uhr ging es los. Ich bin gemeinsam mit anderen Freiwilligen auf die Straße gegangen und habe die Schuhputzenden an ihrem Arbeitsplatz besucht. Hausbesuche oder das Begleiten zu Arztbesuchen stand ebenfalls auf dem Programm. Zudem hat sich die Büroarbeit angehäuft, etwa Berichte für weltwärts oder Vamos Juntos schreiben, Dokumentationen für die Akten der Schuhputzenden ergänzen, Präsentationen vorbereiten.

Nachmittags habe ich dann in verschiedensten Projekten mitgearbeitet. Oft habe ich donnerstags bei der „Grupo Esperanza“ (Gruppe Hoffnung) mitgeholfen. Dort werden mit alkoholabhängigen Menschen beispielsweise Mobilisierungsübungen und Gedächtnisübungen gemacht. Dienstags habe ich zukünftigen Süd-Nord-Freiwilligen Deutschunterricht gegeben. Neben dem stressigen Arbeitsalltag war es echt schön, das gemeinsame Mittagessen im Büro zu zelebrieren. Hier haben wir viel gequatscht, auch über Privates, hatten sehr viel Spaß und konnten uns alle nochmal auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen. Um 17:30 Uhr war dann der Arbeitstag vorbei.

Was bleibt von deiner Zeit mit weltwärts?

Sina: Ich nehme definitiv einiges aus Bolivien und der Zeit bei Vamos Juntos mit. Das Land, die Menschen. Meine Kolleg*innen, alle, die ich kennenlernen durfte. Ich habe so tolle Freundschaften geschlossen, zu denen ich weiterhin einen engen Kontakt habe. Auch die Kultur, die indigenen Bräuche bleiben präsent für mich. Jetzt bin ich bei Vamos Juntos ehrenamtlich in den Vorstand eingetreten, da ich die Arbeit mit den Schuhputzenden super finde und die Organisation weiterhin unterstützen will.