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Ein Jahr, das mein Leben verändert hat

Anna Lena

Einsatzort: Riobamba, Ecuador

Organisation: KulturLife

Langeweile? Fehlanzeige. Nicht für Anna Lena. Bunt und vielseitig: so beschreibt sie ihr Leben in Ecuador. Mit weltwärts engagierte sie sich in einem Tierschutzprojekt. In der Stadt Riobamba, bei einer Gastfamilie mit vier Hunden und viel Herzlichkeit, kam Anna Lena für ein Jahr unter. Für sie ist ein Freiwilligendienst mit weltwärts „eine Chance, die man nicht bereut“.

Vom September 2024 bis September 2025 durfte ich meinen Freiwilligendienst in Ecuador absolvieren. Mit der Organisation „KulturLife“ war ich weltwärts in den Anden Ecuadors. Meine Einsatzstelle war das Projekt CRIAR – Centro de Rescate Integral Animal in Riobamba. In diesem Bericht erzähle ich von meinen Erfahrungen, Herausforderungen und den Erkenntnissen, die mich geprägt haben.

Riobamba – mein Zuhause in den Anden

Wenn man an Südamerika denkt, stellt man sich oft Wärme und Sonne vor. Aber Ecuador ist vielfältig – auch beim Klima. Riobamba liegt auf 2.750 Metern Höhe am Fuß des Vulkans Chimborazo. Tagsüber kann es warm sein, nachts weht ein eisiger Wind von den Bergen. Unter diesen Bedingungen und auf der anderen Seite der Welt durfte ich mein zweites Zuhause finden.

Ich habe im Norden der Stadt bei einer ecuadorianischen Señora und ihren vier Hunden gewohnt. Für mich ist Riobamba groß genug, um alles zu bieten, aber klein genug, um sich schnell heimisch zu fühlen. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, alle zu kennen – besonders im „centro“, dem Stadtzentrum. Es gibt es viele Möglichkeiten, aktiv zu sein und verschiedene Hobbies auszuprobieren: Vor den Toren der Stadt beginnt die Natur der Anden, unendlich weit und wunderschön. Die Stadt ist umgeben von majestätischen Vulkanen wie dem Chimborazo, dem Altar und dem Tungurahua. Diese Kulisse macht Riobamba zu einem besonderen Ort.

Außerdem spielt Sport hier eine große Rolle. Wenn die Basketballmannschaft Riobamba Leones oder das Fußballteam Olmedo spielt, füllt sich die Stadt mit Leben.

Vier junge Menschen schauen in die Kamera mit leicht zugekniffenen Augen. Sie stehen auf dem Vulkan Chimborazo in Ecuador.
Ausflug auf den Chimborazo, wo sich auf 5.100 Metern Höhe die Lagune "Condor Cocha" befindet.

Mein Projekt: Tiere pflegen & schützen mit CRIAR

In Riobamba prägen eine große Zahl von Tieren das Straßenbild. Die Stadt möchte der Problematik der großen Anzahl an Straßentieren, der unkontrollierten Vermehrung und dem damit zusammenhängenden Tierleid entgegenwirken. Mein Projekt war das sogenannte CRIAR – Centro de Rescate Integral Animal Riobamba. Die städtische Einrichtung ist eine Kombination aus Tierheim und Tierklinik: Jeden Morgen kommen Menschen mit ihren Hunden und Katzen, um sie für eine kleine Spende sterilisieren zu lassen. Außerdem bringen die „inspectores“ verletzte Straßentiere, die medizinische Hilfe brauchen. Auf dem Gelände gibt es Zwinger für Tiere, die nach einer Operation bleiben, bis sie gesund sind. Danach werden sie vermittelt oder zurückgebracht, wenn sich jemand findet, der sich um sie kümmern kann.

Eine junge Frau mit blauer Kleidung hält die Schnauze eines Hundes fest.
Bei der Arbeit im CRIAR. Hier bei der Vorbereitung für den OP.

Der Alltag: Mehr als nur Arbeit

Mein Leben in Ecuador war bunt und vielseitig. Da mir, so sehr ich mein Projekt schätze, der direkte Kontakt zu Menschen und besonders zu Kindern und Jugendlichen fehlte, habe ich diesen in meiner Freizeit gesucht und gefunden.

Montags habe ich in der Einrichtung „Alegría de los Míos“ geholfen. Dort gibt es Therapieangebote für Kinder mit Behinderungen. Besonders spannend fand ich die Reit- und Hundetherapie.

Donnerstags habe ich an der Uni ESPOCH eine Conversation Class geleitet. Mit Studierenden zwischen 19 und 21 Jahren habe ich Englisch geübt und Grammatik erklärt. In meiner Freizeit habe ich Reitstunden genommen, getanzt, Judo ausprobiert und Trailrunning gemacht. Die Wochenenden haben wir meist zum Reisen genutzt, um Ecuador besser kennenzulernen.

Etwas, das bleibt

Die Zeit in meinem Projekt, in meiner Familie, meinem vielseitigen Alltag und natürlich auf unseren Reisen waren so beeindruckend und prägend, dass es sich rückblickend fast anfühlt wie ein Traum. Worauf ich mich jedoch auf alle Fälle festlegen kann: Die einfachsten Dinge dieses Jahr – wie immer – waren die schönsten. Zu bemerken, wie man die Sprache immer mehr beherrscht, wie sich die ersten Freundschaften bilden, man die ersten Einladungen bekommt, seine Fortschritte beim Tanzen merkt, sich in seinem Alltag angekommen fühlt. Die letzten Wochen in Riobamba waren schwer. Abschiede tun weh, besonders wenn sich alles wie Alltag anfühlt. Aber die Dankbarkeit überwiegt. Ich habe gelernt: Das Leben passiert nicht einfach – wir gestalten es selbst. Ein Freiwilligendienst ist eine Chance, die man nicht bereut. Man lernt über sich, über andere und auch eine neue Sprache. Das sind Erfahrungen, die kein Studium ersetzen kann. Das Wissen, dass das mein Leben ist und es in meiner Hand liegt, es zu gestalten – das ist für mich die wichtigste Erkenntnis.

Mein Rat an zukünftige Freiwillige

Es wird nicht immer einfach sein, aber es gibt immer eine Lösung. Für alles. Zwei Dinge machen es leichter: Kommunikation und Eigeninitiative.

Freundschaften und Hobbys kommen nicht von allein – zeigt Interesse, geht auf Menschen zu! Das Leben passiert nicht einfach. Es entsteht durch uns selbst.

Und: Traut euch! Die Dinge, vor denen ihr Angst habt, sind oft gar nicht so schlimm. Nutzt eure Chancen und seid dankbar für die kleinen Dinge. Dann wird es ein unvergessliches Jahr.