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Mehr als nur Galápagos – Warum ich mir mehr Besucher*innen für Ecuador wünsche

Taleas Plädoyer für mehr Tourismus in Ecuador

Einsatzort: Quito, Ecuador

Organisation: Ecuador Connection e.V.

Talea ist bis Februar 2026 weltwärts mit der Organisation „Die Ecuador Connection e.V.“. Während ihres Freiwilligendienstes in Ecuador erlebt sie hautnah die Auswirkungen des rückläufigen Tourismus – leere Straßen, geschlossene Geschäfte und verlorenes Potenzial für indigene Gemeinden. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie, warum Ecuador mehr Aufmerksamkeit verdient und was echte Begegnungen im Land bewirken können.

Meine Erfahrungen mit dem fehlenden Tourismus

Während meines Freiwilligendienstes in Ecuador habe ich hautnah erlebt, wie sehr das Land unter dem Rückgang des Tourismus leidet. Bei einer Wandertour zum Wasserfall in Otavalo standen rund 80 Prozent der kleinen Läden und Restaurants leer. Die Atmosphäre war geprägt von Leere, obwohl der Ort viel Potenzial hätte. In Gesprächen mit anderen Reisenden wurde mir klar, wie negativ das Image Ecuadors inzwischen ist: Viele Tourist*innen lassen das Land auf ihrer Südamerikareise aus, aus Angst vor Unsicherheit. Ich selbst habe in den letzten Monaten viele Regionen bereist – von der Küste über das Hochland bis in den Amazonas. Natürlich habe ich von vereinzelten Vorfällen gehört, aber insgesamt habe ich mich sicher gefühlt. Auch viele Backpacker*innen, die anfangs Bedenken hatten, waren im Nachhinein froh über ihre Entscheidung, Ecuador besucht zu haben. Die Natur, die Vielfalt und die Begegnungen mit den Menschen haben sie tief beeindruckt.

Talea steht am Fuße des Wasserfalls in Otavalo, Der Wasserfall war das Ziel der Wanderung in Ecuador.
Bei der Wandertour zum Wasserfall in Otavalo spürte Talea die negativen Folgen des sinkenden Tourismus.

Ecuadors Vielfalt entdecken

Ecuador ist ein Land mit atemberaubender Vielfalt: Das gewaltige Flusssystem des Amazonas, der dichte Regenwald, die beeindruckenden Anden, die Küste, oder auch die Galápagos-Inseln machen Ecuador zu einem einzigartigen Reiseziel. Nicht zu vergessen die Übergangsregionen zwischen Anden, Regenwald und Küste. Trotz dieser kulturellen, geografischen und ökologischen Schätze bleibt der Tourismus weit hinter dem Potenzial zurück, das vorhanden ist oder einmal existiert hat. In den letzten Jahren ist die Zahl der Tourist*innen stark gesunken, was sich deutlich auf die Bevölkerung und die Wirtschaft ausgewirkt hat.

Meine drei Tipps und Orte, um das echte Ecuador zu entdecken

  1. Quito außerhalb des historischen Stadtzentrums
  2. Ibarra in der Provinz Imbabura: Ibarra wird oft als die „Weiße Stadt“ bezeichnet – wegen ihrer kolonialen Architektur und weiß getünchten Gebäude. Die Stadt liegt am Fuße des Vulkans Imbabura und bietet eine Mischung aus Natur, Kultur und Geschichte.
  3. Guaranda, Bolivar: Guaranda liegt in den zentralen Anden und ist als „Stadt der sieben Hügel“ bekannt. Sie ist ein kulturelles Zentrum mit starkem indigenen Einfluss und einer lebendigen Festkultur.
Bilck auf die türkisfarbene Lagune Quilotoa – ein Kratersee in den ecuadorianischen Anden, eingebettet in die Kulisse eines erloschenen Vulkans.
Blick auf die türkisfarbene Lagune Quilotoa – ein Kratersee in den ecuadorianischen Anden, eingebettet in die Kulisse eines erloschenen Vulkans.

Warum kommt kaum noch jemand nach Ecuador?

Der Tourismus in Ecuador ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen – trotz seiner landschaftlichen, kulturellen und ökologischen Vielfalt. Die Ursachen sind meines Erachtens vielfältig:

  • Politische Instabilität: Proteste, Korruptionsskandale und die gestiegene Mordrate prägen das Bild in internationalen Medien. Die verschärfte Sicherheitslage beschränkt sich auf bestimmte Regionen. Diese sollten bei der Reiseplanung gemieden werden.
  • Fehlendes Marketing: Im Vergleich zu Ländern wie Peru oder Costa Rica investiert Ecuador kaum in internationales Tourismusmarketing. Viele wissen nicht einmal, dass die Galápagos-Inseln zu Ecuador gehören.
  • Folgen der Corona-Pandemie: Viele kleine Betriebe mussten schließen und konnten sich nicht erholen. Die wirtschaftliche Unsicherheit bremst weiterhin die Reiselust.

Viele wissen nicht einmal, dass die Galápagos-Inseln zu Ecuador gehören.

Eine felsige Küstenlandschaft auf einer der Galápagos-Inseln Ecuadors mit Seevögeln und Pinguinen, üppiger Vegetation und ruhigem, blauem Wasser.
Die Galápagos-Inseln sind berühmt für ihre einzigartige Tierwelt.

Die spürbaren Folgen für die Bevölkerung

Der Rückgang des Tourismus trifft vor allem Menschen, die direkt oder indirekt davon leben – etwa in Hotels, Restaurants, auf Kunsthandwerksmärkten oder in Reiseagenturen. Besonders betroffen sind indigene Gemeinschaften, die nachhaltige und kulturell respektvolle Tourismusprojekte aufgebaut hatten. Diese Projekte waren nicht nur ökonomisch relevant, sondern auch ein Mittel, um die indigene Kultur zu bewahren und das selbstbestimmte Leben zu fördern. Ich habe eine Gemeinschaft im Regenwald besucht, die einst durch touristische Einnahmen eine eigene Schule finanzieren konnte. Heute ist diese geschlossen. Die Kinder müssen wieder weite Wege zurücklegen, erhalten kein Mittagessen und werden nicht mehr in ihrer Sprache Quechua unterrichtet – ein Rückschlag für ihre kulturelle Identität.

Mein Wunsch für Ecuador

Ich wünsche mir, dass Ecuador als Reiseziel wieder sichtbarer wird – nicht als „Geheimtipp“ oder Abenteuerort, sondern als Land mit einer stolzen, vielfältigen Bevölkerung und einer reichen Geschichte. Tourismus kann hier nicht nur wirtschaftlich helfen, sondern auch Brücken bauen – als respektvolle Begegnung auf Augenhöhe.

Ecuador – beliebtes Land für weltwärts-Freiwillige

Für die weltwärts-Freiwilligen gehört Ecuador bereits zu den beliebtesten Ländern für einen Freiwilligendienst. 2023 sind mit 215 Freiwilligen die meisten Nord-Süd Freiwilligen nach Ecuador ausgereist. Auch 2024 war Ecuador noch auf Platz 3 der beliebtesten Länder.

Was sollten Freiwillige bei ihren Reisen berücksichtigen?

Wenn du unterwegs bist, gibt es einige wichtige Dinge zu beachten, um sicher und respektvoll zu reisen:

  • Begegne den Menschen mit Respekt.
  • Agiere mit kultureller Sensibilität, das öffnet Türen und schafft Vertrauen.
  • Nutze deine Grundkenntnisse in Spanisch, diese erleichtern die Kommunikation im Alltag und zeigen Wertschätzung gegenüber der Bevölkerung.
  • Achte auf deine Gesundheit.
  • Behalte deine Wertsachen gut im Blick, besonders in belebten Gegenden.
  • Nutze ausschließlich offizielle Taxis oder Uber, um sicher ans Ziel zu kommen.
  • Hab‘ einen Notgroschen parat, wenn die Kartenzahlung ausfällt und du z.B. ein Taxi/Uber nutzen möchtest

Grundsätzlich müssen Freiwillige, die im Land reisen, die Sicherheitshinweise des AA berücksichtigen.

Weitere Informationen

Dieser Einsatzplatz wird angeboten von der weltwärts-Organisation "Die Ecuador Connection e.V."

Die Ecuador Connection e.V. ist eine kleine Organisation und entsendet jährlich ca. 11 Freiwillige nach Ecuador. Einsatzbeginn ist meistens im August/September. In der Regel bleiben Freiwillige für 12 Monate im Land, in einigen Fällen sind auch kürzere Freiwilligendienste von 8 Monaten nach Absprache möglich.

Talea plante eigentlich eine kürzere Dauer von 9 Monaten. Während ihres Freiwilligendienstes in Quito hat sie sich entschieden zu verlängern.

Entsendeorganisation: Die Ecuador Connection e.V.

weltwärts Einsatzplatz: Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung in Quito - weltwärts

Weitere Infos: Freiwilligenarbeit in Ecuador