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In die Welt
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Götz: Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Es war schon krass. Dann habe ich aber auch gemerkt: Okay, da habe ich jetzt jahrelang sehr viel Arbeit reingesteckt. Und Leute sehen das, es kommt irgendwo an. Das fühlt sich natürlich sehr gut an. Aber ich verstehe diesen Preis auch als Preis für die gesamte Brot für die Welt-Jugend. Denn wir haben immer alles gemeinschaftlich angegangen. Im Jugendausschuss oder bei der Jugendgruppe habe ich nie irgendwas alleine gemacht. Deswegen ist dieser Engagementpreis eine Auszeichnung für alle, die bei uns engagiert sind.
Götz: Der Jugendausschuss wird von der ganzen Brot für die Welt-Jugend gewählt. Er koordiniert, was um die Ortsgruppen herum abläuft. Der Ausschuss koordiniert auch das Aktionstreffen Youthtopia, das einmal im Jahr stattfindet. Dort wird der Jugendausschuss auch gewählt. Zudem vernetzen wir uns mit anderen Organisationen. Ich habe noch nie so ein lockeres politisches Gremium erlebt. Die aktive, kleinteilige Arbeit jedoch, die findet in den Ortsgruppen statt. Davon gibt es mehrere in ganz Deutschland.
Götz: In ganz Deutschland sind wir rund 150 Mitglieder – immer mit etwas Fluktuation, weil viele Süd-Nord-Freiwillige dabei sind. In den Ortsgruppen probieren wir uns auf verschiedenen Ebenen aus: Von Advocacy-Arbeit über Social Media und Bildungsarbeit bis hin zu Demos zu global relevanten Themen. Wir engagieren uns und arbeiten aktivistisch. In den Ortsgruppen ist es dann immer sehr konkrete Arbeit. Das heißt die Ortsgruppen suchen sich ein Thema aus, arbeiten dann zu dem Thema und führen eine konkrete Aktion durch. Im Jugendausschuss passiert das ganze Drumherum. Wir haben auch sehr viel auch internationale Vernetzung dabei, zum Beispiel mit den Changemakern aus Norwegen und Finnland und Gruppen aus Schweden auch. Wir probieren zudem stets, auch Kontakte in den Globalen Süden herzustellen. Zur Bundestagswahl etwa haben wir einen Flyer gemacht. Davon haben wir 30.000 Stück produziert und die verteilt. Zudem beschäftigen wir uns viel mit kleinen Lieferketten. Auch bei Leave No One Behind haben wir mitgemacht, wir haben viel zum Thema Klimagerechtigkeit gearbeitet. Alles, bei dem wir denken, das könnte für globale Systeme relevant sein – da knüpfen wir an.
Götz: Ich bin da so ein bisschen reingerutscht. Ich bin mit einem ungarischen Vater und einer deutschen Mutter aufgewachsen, also mit zwei Sprachen und zwei Kulturen. Alles was mit internationaler Vernetzung zu tun hat, war für mich schon immer sehr spannend. Meine Mutter hat mir sehr geholfen. Sie abonnierte immer diese Kirchen-Newsletter. Eines Tages erfuhr ich von einem Treffen. Damals habe ich in Gotha gewohnt, bei meinen Eltern, das Youthtopia-Event war in Weimar, also sehr nah und praktisch für mich. Ich bin hin und fand es toll. Da waren Menschen aus Costa Rica, aus Sambia und Kambodscha, Aktivist*innen aus Deutschland, aus Finnland. Das war total bereichernd. Ich wurde danach in den Jugendausschuss gewählt – und bin dann einfach geblieben. Das ist schon sehr einzigartig. Dort wird sich mit globalen Themen wie Dekolonialität oder Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt. Für diese Themen gibt es wenig Möglichkeiten für junge Menschen, sich zu vernetzen und aktiv zu werden.
Götz: Es gab nicht ein konkretes Ereignis, denke ich, sondern es waren verschiedene Dinge, die mich immer wieder sensibilisiert haben. Etwa mein eigener Migrationshintergrund: Ich habe zum Beispiel nie verstanden, wieso wir hier Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, so anders behandeln. Das hat mir das Herz gebrochen – zu sehen, dass Menschen mit ähnlicher Geschichte wie meiner so viel Leid erfahren. Und dass nur, weil sie migrantisch oder migrantisiert sind. Die Gemeinschaft, die ich durch die Brot für die Welt-Jugendgruppe erfahren habe, hat mich immer im Aktivismus drin gehalten. Da sind andere junge Menschen, die sich für dieselben Thermen interessieren. Es geht dort einfach warm, herzlich und freundschaftlich zu. Für mich ist es keine Option, nichts zu machen. Mir fällt es sehr schwer, zu sehen, dass Ungerechtigkeiten existieren und ich selber mache nichts dagegen. Das geht für mich nicht.
Götz: Die Gespräche mit dem Leiter der Organisation Seprojoven, die ich unterstützt habe. Alonso hieß er. Ein sehr beeindruckender Mensch. Seprojoven vermittelt feministische Bildung an Mädchen mittels Fußball. Von Alonso habe ich sehr viel über Aktivismus gelernt, beispielsweise, wie man Dinge konkret angehen kann. Hier bei uns ist der Ansatz anders: Wir schauen, wie wir Systeme verändern können. Dort ging es darum, auch einfach mal zu machen – da hieß es: Wir spielen jetzt Fußball und dann erzählen wir euch mal was. Wir ziehen das einfach durch. Und das wird schon irgendwie funktionieren. Ich war auch kurz an der Grenze tätig, mit Migrant*innen, hauptsächlich aus Venezuela. Zudem habe ich für rund zwei Monate in einem Dorf mit indigener Bevölkerung gelebt. Dort habe ich viel über Landraub und indigenen Aktivismus gelernt. All das waren krasse Erfahrungen für mich, die mich sehr nachhaltig geprägt haben – auch in meinem Aktivismus. Denn ich habe gemerkt: Es gibt überall Menschen, die etwas verändern wollen. Menschen, die sagen: Wir wollen, dass die Welt anders wird, wir haben Utopien und bauen diese zusammen auf. Das gibt mir immer wieder Kraft.
Götz: weltwärts ist immer noch sehr relevant in meinem Leben. Ich begleite als zurückgekehrter Freiwilliger dieses Jahr das Ausreiseseminar mit. Einfach, um ein bisschen mitgeben zu können, was ich selbst so erlebt habe. Und um zu sehen, wer diese Erfahrungen jetzt machen darf. Vor allem mit dem Süd-Nord-Dienst habe ich gerade in meinem Aktivismus viel zu tun, da er für uns in der Brot-Jugend wirklich essentiell ist. Ohne Südis könnten wir nicht so und mit den Perspektiven arbeite, wie wir es tun. Ich hoffe auch, dass weltwärts zukünftig mehr gefördert wird. Durch meinen eigenen Freiwilligendienst bin ich auch kritischer geworden, was den Gedanken dahinter und die Umsetzung anbelangt. Ich denke aber, bei weltwärts existiert durch den Austausch und die guten Seminare, die wir hatten, eine tolle Grundlage für einen reflektierten Dienst.
Götz: Er ist sehr zentral für mich. Auch in meinem Aktivismus. Ich habe dieses Selbstverständnis, aus Liebe zu leben. Deswegen möchte ich das an andere weitergeben, möchte meine Privilegien teilen, für Gerechtigkeit in der Welt kämpfen. Ich möchte, dass es meinen Mitmenschen gut geht, egal wo und wie sie sind. Das gibt mir auch sehr viel Kraft.
Götz: Wir werden gerade sehr oft zu Shrinking Spaces angefragt. Es scheint gerade offenbar in Mode, junge Aktivist*innen zum Thema Shrinking Spaces zu interviewen. Und es stimmt auch: Es gibt immer weniger Raum für Engagement.
Götz: Entwicklungszusammenarbeit und internationale Zusammenarbeit existieren sowieso schon in einem System, das international ist. Alles, was wir politisch tun und auch alles, was wir auf der persönlichen Ebene tun, hat Einfluss auf internationale Systeme und auf globale Zusammenhänge. Von daher ist die Frage, die wir uns stellen sollten, eigentlich: Wie wollen wir das machen? Es geht um internationale Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Es geht darum, wie wir Prozesse umgestalten können, und die Zusammenarbeit auf eine gerechtere Art und Weise bewerkstelligen können.