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Beitrag aus der Kindertagesstätte „El Cuidaniños“

Iglesia Evangélica Bíblica Costa Azúl, Limpio, Paraguay

Etwa zwei Jahre nach der Eröffnung unserer Kindertagesstätte in Limpio standen wir Betreuerinnen fast täglich vor der Herausforderung, alleine 15 bis 20 kleine Rabauken zu betreuen, zu bekochten und sauber zu halten. Oft sahen wir uns inmitten von streitenden und quengelnden Kleinkindern, schreienden und weinenden Babys und wünschten uns einfach nur ein Paar Arme oder einen Schoß mehr, ein Paar Hände, die Tränen abwischen, Nase putzen oder Windeln wechseln können. Außerdem wollten und wollen wir die Kinder freundlich und liebevoll behandeln, daher müssen ALLE unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem eines sein: freiwillig!  Eine tolle Möglichkeit als Unterstützung unserer täglichen Arbeit fanden wir bei unserem Partner Mennonite Voluntary Service e.V. – Christliche Dienste. Seit 2010 kommen nun ein bis zwei Freiwillige aus Deutschland für jeweils zwölf Monate zu uns. Dass auch wir den Freiwilligen etwas geben können, wurde uns erst bewusst, als der erste Freiwillige bei uns war. Alle unsere Freiwilligen begegnen einer anderen Kultur, einer neuen Familie und den Familien der Kolleginnen, einer neuen Gemeinde, Kindern mit sehr unterschiedlichen – oft problematischen Hintergründen. Das weitet den Erfahrungshorizont und regt zum Hinterfragen und Reflektieren an.

Aufbau von Beziehungen. Foto: © Wiens und Riveros
Aufbau von Beziehungen. Foto: © Wiens und Riveros

Die Erfahrungen mit Freiwilligen sind so verschieden wie die jungen Menschen selbst, die bisher bei uns waren. Das Schönste ist, wenn die anfängliche Unsicherheit und „Fremdheit“ der Freiwilligen allmählich schwindet und ich beobachte, wie die „Neuen“ beginnen, Beziehungen zu den Kindern aufzubauen, wenn sie mit ihnen spielen, Sprachbarrieren überwinden, sich auseinandersetzen, sich durchsetzen und sich ehrlich für die Kinder interessieren.

Am Verhalten der Kinder kann ich ablesen, ob sie die neue „Tia“ (Tante) schon als Bezugsperson anerkannt haben: Kommen sie noch wegen jedem Problemchen zur hauptamtlichen „Tia“? Oder haben sie bereits das Vertrauen, dass auch die Freiwillige bei kleineren oder größeren Problemen helfen kann, z.B. beim Anschaukeln oder beim Streit schlichten.

Oft haben wir gesehen, wie die Freiwilligen Probleme angehen, die sie sich vorher nicht zugetraut hätten, Ängste ablegen, sich in die Arbeit stürzen und dabei über sich hinauswachsen. Fast alle lernen, bisher unbekannte Lebensentwürfe zu respektieren und die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen. Auch andere Essgewohnheiten zu tolerieren kann bereits eine Herausforderung sein:

Eine unserer Freiwilligen fand nach mehreren Monaten heraus, dass die Köchin immer die Hühnerfüße in der Suppe mit kocht und danach mit Genuss abnagt. Erschrocken lehnte die Freiwillige die Suppe ab und zog es vor, an diesem Tag lieber Butterbrot zum Mittag zu essen.

Inzwischen sind die Freiwilligen zu einem wichtigen Bestandteil unserer „Guardería“ geworden, vor allem für jedes der Kinder, mit denen sie ein Stück Leben geteilt haben. Jede/r Freiwillige konnte auf seine/ihre Weise den Kindern Liebe zeigen und damit auch auf die Familien der Kinder positiv einwirken.

Rossana Riveros

Leoni de Wiens