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„Gutes Leben“ in den Mangroven des Golfs von Guayaquil

Stärkung zivilgesellschaftlicher Initiativen auf lokaler Ebene

„Buen vivir“ ist eine ecuadorianische Alternative zu westlichen Entwicklungskonzepten, welche von den Paradigmen Fortschritt, Wachstum und Wohlstand geprägt sind. Das „Gute Leben“ berücksichtigt dagegen Werte der indigenen Völker Südamerikas. Es zielt von lokaler Ebene ausgehend auf ein Leben im Gleichgewicht mit der Natur, Gleichberechtigung, Ernährungssouveränität, eine solidarische Wirtschaft, Menschen- und Naturrechte und eine pluralistische Demokratie mit neuen Räumen zivil-gesellschaftlicher Partizipation. Diese Leitideen sind seit 2008 in der ecuadorianischen Verfassung verankert.

Der Golf von Guayaquil.
Der Golf von Guayaquil.

Ökosystem Golf von Guayaquil

Der Golf von Guayaquil ist ein Flussdelta an der Pazifikküste Ecuadors, dessen Inseln mit Mangrovenwäldern gesäumt sind. Das artenreiche Ökosystem erfüllt wichtige Funktionen beim Küstenschutz und in der Reproduktion von Meerestieren. Zudem bildet es den Arbeits- und Lebensraum der Mangrovenfischer und -fischerinnen, die hier seit Generationen beheimatet sind.

Der Golf von Guayaquil ist zugleich das Gebiet mit den größten Mangrovenvorkommen und den meisten Garnelenzuchtfarmen Ecuadors. Durch die Expansion der Garnelenindustrie von 1980 bis 2000 wurden große Mangrovenflächen zur Anlage von Zuchtbecken gerodet. Um die verbleibenden Mangroven zu erhalten, hat das ecuadorianische Umweltministerium ab dem Jahr 2000 Konzessionen zu deren Schutz und nachhaltigen Nutzung an Initiativen traditioneller Mangrovenbewohner und -bewohnerinnen vergeben, die dabei von Nichtregierungsorganisationen technisch unterstützt werden. Die Fundación Cerro Verde und der Schutzwaldverein bilden die technische Assistenz der Konzession im inneren Golf von Guayaquil, deren Trägerin die Asociación de Usuarios de Manglar Cerrito de los Morreños ist.

weltwärts-Freiwillige auf den Magroveninseln

Blick auf eine der Mangrovengemeinden.
Blick auf eine der Mangrovengemeinden.

In den zehn Jahren der Zusammenarbeit mit weltwärts ist es gelungen, die Konzession zur größten Ecuadors zu erweitern und die Anzahl der beteiligten Mangrovengemeinden von zwei auf vier zu erhöhen. Durch die Unterstützung der Vereinigung der Mangrovennutzer*innen konnten u.a. zwei Hauptgemeinden mit einer Trinkwasserversorgung ausgestattet, Gesundheitspromoter*innen und ausgebildet und eine lokale Tourismusgruppe aufgebaut werden. Regelmäßige Gemeindetreffen ermöglichen den Austausch zwischen den Dörfern sowie die zivil-gesellschaftliche Selbstverwaltung des Gebiets. Diese Maßnahmen stellen eine Stärkung der Ernährungssouveränität, eine Dezentralisierung verbunden mit einem Empowerment der Gemeinden sowie eine Stärkung der lokalen Wirtschaft im Sinne eines Guten Lebens dar.

In mehreren Workshopreihen zur Qualitätsentwicklung des Freiwilligendienstes konnten ein gemeinsames Verständnis der beteiligten Organisationen in Form eines gelebten Leitbildes sowie praxisnahe Handbücher zur Begleitung der Freiwilligen partizipativ erarbeitet werden. Bei der Auswertung der bisherigen Erfahrungen wurde deutlich, dass die Freiwilligendienste in hohem Maße zum Gelingen der Aktivitäten und Bemühungen beim Aufbau eines Modells des Buen Vivir beigetragen haben und auch weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Zusammenarbeit spielen sollen:

Die Freiwilligen lernen die Lebenswelt der Mangroveninseln kennen und erfahren die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum städtischen Leben in Guayaquil sowie zu ihrer Lebensrealität in Deutschland. Der Erfahrungsaustausch durch 10 Jahre weltwärts hat bei allen Beteiligten die Wertschätzung für Vielfalt und unterschiedliche Lebensformen gestärkt sowie interkulturelle, soziale und organisatorische Kompetenzen reifen lassen. Viele Freiwillige bleiben durch ein weiterführendes Engagement nach ihrer Rückkehr den Aktivitäten des Schutzwaldvereins und seiner Partnerorganisationen verbunden. Für die Mangrovenbewohner*innen und zählen die gegenseitige Weitergabe von Wissen, die Motivation zu und die Begleitung der Umsetzung von gemeinschaftlichen Aktivitäten, die Förderung von Gruppenarbeit, die Beteiligung an Projektmaßnahmen, der kulturelle Austausch und die Entstehung von Freundschaften zu den wesentlichen Bereicherungen, die sich aus dem Austausch mit den Freiwilligen ergeben.

Buen Vivir in der Pfalz

Zur Abrundung des Austauschs werden 2018 erstmals zwei junge Menschen aus den Mangrovendörfern einen Freiwilligendienst im Rahmen der Süd-Nord-Komponente von weltwärts leisten. Der Kontakt zur Einsatzstelle Bürgerstiftung Pfalz, in der Bürger und Bürgerinnen der Pfalz sich für soziale, ökologische und kulturelle Projekte und damit für ein Gutes Leben in ihrer Region einsetzen, ist 2016 im Rahmen eines Partnerbesuchs mit Veranstaltungen zum Buen Vivir zustande gekommen und soll über den Freiwilligendienst einen Austausch von Initiativen für ein Buen Vivir zwischen Gemeinden in Deutschland und Ecuador fördern. Die Freiwilligen sollen Gelegenheit haben, die verschiedenen Projekte der Bürgerstiftung Pfalz kennenzulernen, an ihnen mitzuwirken und die Erfahrungen ihrer Gemeinden und Initiativen aus Ecuador einzubringen und zu präsentieren. Durch die interkulturelle Erfahrung, den Austausch mit anderen Freiwilligen und die Tätigkeiten in Arbeitsbereichen, die für sie auch in ihrer Lebenswelt eine praktische Bedeutung haben, erhoffen sie sich, dies nach Rückkehr in die weitere Arbeit im Rahmen Mangrovenschutzkonzession einfließen zu lassen und sich an der Begleitung künftiger Freiwilliger beteiligen zu können.