Berichte des Freiwilligen Christian Streubel aus Chile
Letzter Quartalsbericht von Christian Streubel, Oktober 2008 - Chile
Einsatzort: Dios con Nosotros, Behinderteneinrichtung
Mein Dienst neigt sich dem Ende. Die letzten drei Monate läuten meine Rückkehr nach Deutschland und meinen Abschied aus Chile, aus Santiago, ein.
Wenn ich zurückblicke, blicke ich auf eine unvorstellbar schöne Zeit, auf unvergleichliche neun Monate, auf Erfahrungen, die mein Leben nicht nur bereichert, sondern vielmehr geprägt haben. Trotz einiger nicht so schöner Erlebnisse, die jedoch hauptsächlich durch das „Entleben“ aus Deutschland, dem Abstandnehmen vom Gewohnten, zu tun haben, bin ich im Allgemeinen mehr als nur zufrieden mit meiner bisherigen Zeit in Südamerika.
Ich bin dankbar, diese Möglichkeit bekommen zu haben. Wenn ich an Chile denke, dann denke ich an viele neu entstandene Freundschaften, an ein neues Lebensgefühl, an soziale und finanzielle Armut, an „meine“ Población, an meine WG, meine Mitbewohner, daran, dass Wohlstand, in der Form wie man in in Deutschland genießen darf, einfach ein Luxusgut ist. Ich freue mich wahnsinnig, barfuß durch mein Haus gehen zu können, ohne danach schwarze dreckige Füße zu haben. Dass nenne ich auch Luxus. Ich bin dankbar, dass ich einen Einblick in diese „fremde Welt“ bekommen konnte, die man so wahnsinnig schnell zu schätzen lernt.
Ich denke an unseren kleinen Almacen (Minimarket), daran, dass man Wasserkocher und estufa (kleine elektrische Heizung) niemals gleichzeitig anschließen darf, da sonst die Sicherung rausfliegt. Ich denke an „meine“ jovenes. An all die Mauras, die Leos, Helens, Connys und Alonsos. An meine Tía, die mir meinen Einstieg in Chile, in eine vollkommen fremde Kultur mit all ihren Sitten und Bräuchen, unglaublich erleichtert hat.
Mit Südamerika verbinde ich eine mir bisher unbekannte Form von Herzlichkeit, Offenheit und Freundlichkeit. Einer Mentalität, die mir einfach Spaß an meinem Leben hier gemacht hat und weiterhin macht.
All die Menschen, die ich hier bereits kennengelernt habe, meine „chilenische Familie“, bei der mir immer die Tür offenstand und weiterhin jederzeit offenstehen wird. Es sind Freundschaften und Kontakte entstanden, die weit über Chile, die weit über das bevorstehende Ende meines Dienstes, hinausgehen werden.
Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, nach acht Monaten meine Mum wiederzusehen. In zwei Wochen Chile-Urlaub habe ich versucht, ihr mein neues Leben zu zeigen, mit all den Schattenseiten, aber vor allem, mit all dem „Reichtum“, den es zu bieten hat.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich bis jetzt jeden Tag in Chile genossen habe und jeden mir noch bleibenden Tag genießen werde.
Liebste Grüße aus Santiago, Christian

