Direkt zum Inhalt begeben .
weltwärts - Der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Berichte des Freiwilligen Christian Streubel aus Chile

Zwischenbericht von Christian Streubel aus Chile

Quartalsbericht Juli 2008
Streubel, Christian

Einsatzort: Dios con Nosotros Behinderteneinrichtung

Nun ist so gut wie die zweite Halbzeit meines Dienstes hier in Santiago de Chile angebrochen. Mittlererweile habe ich mich vollständig in meiner Einrichtung eingearbeitet und auch die meisten Sprachschwierigkeiten überwunden. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass ich den Praktikanten Kristian aus Deutschland in die Arbeit im Centro Dios con nosotros einarbeite. Ich zeige ihm die Techniken beim waschen, wickeln, anziehen, hinlegen, füttern, oder diene ihm als Dolmetscher. Auch wenn er Probleme mit einem joven (wörtl. Jugendlicher, gemeint ist Behinderter) hat und mit einer Situation überfordert ist, helfe ich ihm und zeige ihm wie er die jeweilige Situation am besten bewältigen kann. So ist zum Beispiel Manuel ein besonderer Härtefall, der ständig den selben Sitzplatz, Matratze, Löffel und Speiseunterlage verlangt. Wenn dies nicht geschieht, fängt er an zu schreien, beißt sich in die Hand oder hämmert seinen Kopf auf den Boden. Wenn man Manuel und sein Verhalten kennt, kann man aber eine sehr ruhige Zeit mit ihm verbringen und sich z.B. auf den ein oder anderen kleinen Faustkampf mit ihm einlassen, auf die er mit riesiger Freude und einem großen Grinsen reagiert.

Weiterhin hat sich mit der Zeit auch meine Arbeit im Dios con nosotros verändert. Einarbeitung, verbesserte Sprachkenntnisse, eine neue Arbeitskraft, aber vor allem eine neue Chefin sind der Grund dafür. Während ich anfangs oft sehr erschöpft nach der Arbeit nach Hause kam, habe ich mittlererweile mehr Energie nach und während der Arbeit. Das hat dazu geführt, dass Beni (mein Mitbewohner und Arbeitskollege) und ich endlich durchsetzen konnten, dass wir Voluntarier jetzt einen Tag pro Woche für unsere Ideen haben. Wir machen unter anderem Gipsmasken, gehen auf den Sportplatz, spielen Tast- und Fühlspiele, lernen Farben oder machen Ballspiele.

Zusätzlich halte ich manchmal morgens die Andacht, spreche mit den jovenes, bete und halte Fürbitte mit Ihnen. Danach gehe ich mit Ihnen eine Anwesenheitsliste durch, bei der die jovenes sich gegenseitig wahrnehmen und ihre Namensschilder erkennen müssen. Dabei denken wir Freiwilligen uns verschiedene Spielvarianten aus, damit sich die etwas helleren jovenes nicht langweilen.

Aber auch in anderen Aufgabenbereichen habe ich mittlererweile schon gearbeitet. So habe ich bereits zweimal für den ganzen Dios con nosotros gekocht und gespült, was bei den vielen Zwischenmahlzeiten ganz schön viel Arbeit ist, mir aber dennoch sehr viel Spaß gemacht hat und eine nette Abwechslung zum Alltag geboten hat. Auch kleinere hausmeisterliche Aufgaben erledige ich gegebenenfalls. Dazu gehört z.B. Tische zu reparieren, den Boden zu streichen, Latten des Zaunes zu ersetzen oder das Gebäude zu lackieren.

Mehrfach haben wir auch schon am Wochenende oder in unserer Freizeit Zeit mit einigen jovenes verbracht. Von einem dieser Treffen möchte ich kurz berichten: Olga und Marco sind zwei unserer jovenes, die körperlich schwerstbehindert sind, im Kopf aber wahrscheinlich vollkommen klar. Die beiden haben ziemlich schnell unsere besondere Aufmerksamkeit gewonnen, da alle anderen jovenes neben der körperlichen Behinderung auch unterschiedlich schwer geistig behindert sind.
Marco ist schon am längsten von allen jovenes im Dios con nosotros. Er sitzt im Rollstuhl und kann nicht sprechen. Er kann sich jedoch mit einer Hand und seiner Mimik ausdrücken und ich habe mich mit ihm schon über alle möglichen Dinge unterhalten. Diese Gespräche sind manchmal etwas schwer und langsam, da man seine Gestik und Mimik so lange raten muss, bis er zustimmt, aber dennoch sind sie sehr wichtig für Marco, da sich seine Familie nicht um ihn kümmert. Er sitzt den ganzen Tag alleine auf der Strasse und beobachtet die Leute. Dennoch erlebe ich ihn jeden Tag im Dios con nosotros als eine freundliche, herzliche Person, die sich immer sehr freut, wenn jemand von uns mit ihm Zeit verbringt.

Ein ganz anderer Punkt, mit dem wir alle imMoment zu kämpfen haben, ist das Klima. In Chile ist vor geraumer Zeit der Winter angebrochen, der nicht nur das Leben innerhalb der Voluntarierhäuser extrem erschwert, sondern dessen Folgen sich auch in der Einrichtung widerspiegeln. Aufgrund einiger Wetterumschwünge, Regen, eisige Kälte, starkem Smog und anderen Umständen, haben wir im Moment im Dios con Nosotros nur geringen Zulauf, da aufgrund von starken Regenfällen die Strassen zum Teil unpassierbar sind, und daher einige einfach nicht ihren Weg zu uns finden. Hinzukommt, dass die Häuser eiskalt sind, man den Rest des Tages nach der Arbeit in Wintersachen, zwei paar Pullis und mehreren Paar Socken, samt Schal und Decke, versucht, dem Winter im Haus Widerstand zu leisten. Doch besonders morgens zur Aufstehzeit ist es jedes Mal ein grosser Kampf sich der Kälte zu stellen. Ausserdem sind wetterbedingt auch im Moment sehr viele Freiwillige und Kinder krank, was den Alltag weiterhin erschwert.

Doch auch damit lernt man sich zu arrangieren und ich stelle mich der zweiten Halbzeit meines Dienstes in Santiago de Chile.

Ich habe das Gefühl hier schon sehr viel gelernt zu haben und genieße die Zeit, die mir hier im schönen Südamerika noch bleibt.


Weitere Informationen




          Eine Initiative des: Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Logo: Bundesministerium für wirtschaftliche und Zusammenarbeit Entwicklung (BMZ)

50 Jahre BMZ. Wir machen Zukunft. Machen Sie mit.