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weltwärts - Der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Drei Zwischenberichte der Schreinerin Karolina Erbelding aus Tansania

Zweiter Bericht von Karolina Erbelding aus Tansania - Januar 2009

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir schon sechs Monate hier. Es gibt natürlich immer Aufs und Abs, aber wir fühlen uns wirklich wohl hier. Oft denken wir daran, wie viel Zeit schon vergangen ist und wie schnell der Heimflug immer näher rückt. Klar freut man sich auch wieder auf Deutschland, trotzdem spielt man immer mal wieder mit dem Gedanken: „Wie wär' s wohl, hier zu leben?“

Anfang Januar war unser Zwischenseminar in Bagamoyo. Es war sehr interessant, sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen, deren Aufgaben sehr unterschiedlich sind. Zudem macht man wohl auch ganz verschiedene Erfahrung, je nachdem, wo man stationiert ist. Man hat viele neue Anstöße bekommen. Für einige war das Seminar sicher sehr wichtig, da wir uns unter Anderem mit der Sinnhaftigkeit der eigenen Stelle beschäftigt haben. Ich selber wäre auch weiterhin gut zurechtgekommen ohne Seminar, habe allerdings viele neue Perspektiven bekommen. Durch das Seminar habe ich meine Einsatzstelle besser schätzen gelernt, da es doch einige gibt, die weniger Freiräume haben. Wegen der großen Teilnehmerzahl und der unterschiedlichen Tätigkeiten musste das Meiste leider sehr allgemein bleiben. Allerdings findet nur bei einer so großen Gruppe ein vielseitiger Austausch statt. Die Seminarleitung stellte mit einer Pädagogin und einem ehemaligen Freiwilligen ein kompetentes Team dar.

Dadurch, dass Uschi und ich uns an den Wochenenden in der Stadt ein Zimmer im Amani-Freiwilligenhaus teilen, ist es schade, dass man sich kaum zurückziehen kann. Aber mit Absprache und Kompromissen klappt unser Zusammenleben wunderbar. Selbst im Kinderdorf haben wir drei Monate zusammen in einem Zimmer gewohnt, da unsere eigenen umgebaut wurden. Selbst wenn wir uns 24 Stunden sehen, verstehen wir uns super...Wir haben uns zwar riesig auf den Umzug in die neuen Zimmer gefreut, aber es ging uns beiden so, dass es ungewohnt war, mal wieder allein zu sein.

Wir haben vor Kurzem Lebensläufe unserer Nachfolger gesehen. Das war sehr interessant. Seitdem denken wir oft daran, wie wohl die Einarbeitungszeit werden wird. Mit einem weiteren Freiwilligen muss eine neue Wohnmöglichkeit geschaffen werden, aber wir haben mitbekommen, dass das in Arbeit ist.

In Iringa, wo wir normalerweise unsere Wochenenden im dortigen Amani-Freiwilligenhaus verbringen, sind viele deutsche Freiwillige. Sie sind auch oft bei uns zuhause, weil wir ein Haus für uns haben und nicht zwischen Kindern wohnen. Wenn wir wochenends aus dem Kinderdorf kommen und in der Stadt Besorgungen koordinieren müssen, ist das oft anstrengend. Einerseits genießt man Menschen um sich zu haben mit mehr oder weniger gleichen Gewohnheiten, andererseits müssen wir dauernd umschalten zwischen Kinderdorf und Stadtleben. Im Amani Center sind wir die einzigen Weißen und sind komplett auf Kiswahili angewiesen. Es ist sehr ländlich, katholisch und eher traditionell (Kleidung, Essen, Alltag). In der Stadt dagegen wird gefeiert, weniger traditionelle Kleidung, viel europäisches Essen und die „städtische Hektik“. Man freut sich zwar auf die Möglichkeiten in der Stadt, wir genießen es allerdings auch mal ein Wochenende in Kilolo zu bleiben.

Mich selbst zieht es nicht so in die Gruppe von Weißen, weil es viel schwerer fällt, Kontakt zu den Einheimischen zu finden und man schneller das Bild des Weißen in Afrika verstärkt. Man grenzt sich automatisch ab - ob gewollt oder nicht. Meistens ist man dann aber doch mit den anderen Freiwilligen unterwegs.

Für uns ist es schwer, den „Städtern“ unsern Alltag näher zu bringen und merken, dass viele es sich einfach nicht vorstellen können. Das macht einem bewusst, wie schwer es sein wird, nach der Heimreise den Menschen, die noch nicht mal in Afrika waren davon zu berichten...Selbst die, die nur 40 km weiter wohnen, können einiges kaum nachvollziehen.

Zudem ist unsere Stelle mit sehr viel Verantwortung, Organisation und eigenen Entscheidungen verbunden. Das ist einerseits eine tolle Herausforderung und wann hat man sonst solche Möglichkeiten und Gestaltungsfreiraum.

Aber gerade wenn etwas nicht so gut läuft, oder man die Konsequenzen von Fehlentscheidungen zu tragen hat, fühlt man sich manchmal überfordert und wünscht sich einen Chef, der einem all das abnimmt. Umso wichtiger, dass wir zu zweit sind, uns austauschen, beraten und uns auch gegenseitig wieder aufbauen können. Auch unser Ansprechpartner von Amani-Deutschland, den wir jeder Zeit anrufen können, steht uns bestmöglich mit Rat und Tat zur Seite.

Bisher hat sich alles letztendlich positiv entwickelt und wir kriegen alles gut gemanagt. Und die meiste Zeit läuft's auch wirklich gut. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir fast ohne Sprachkenntnisse hierher kamen und es absolut neu für die Tansanier war, dass Frauen als Schreiner arbeiten ;-)


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