Erfahrungsberichte
Quartalsbericht von Lena Handschuh, März bis Mai 2009, Nicaragua
Ein dreiviertel Jahr in Nicaragua ist um und langsam geht unserer Zeit hier zu Ende.
Abschiednehmen... und ankommen
Das Abschiednehmen rückt immer näher, und ich selbst befinde mich ein einem Gefühlschaos zwischen meinen beiden Welten, den Familien, den unterschiedlichen Freunden. Man hängt noch stark in dem jetzt und hier und kann sich das andere Leben in Deutschland noch nicht konkret vorstellen. Auf der anderen Seite freut man sich auf die Ankunft in Deutschland, obwohl ich mir auch vorstellen könnte, noch ein halbes Jahr anzuhängen.
Auf den letzten Reisen haben wir des Öfteren festgestellt, dass wir die Orte vorerst zum letzten Mal gesehen haben, viel mehr Reisen wird es hier in Nicaragua dieses Jahr nicht mehr geben. Auch fahren langsam die ersten andren Freiwilligen hier im Land nach Hause...Aufbruchsstimmung.
An meine Zukunft in Deutschland habe ich hingegen noch nicht all zu viele Gedanken verschwendet. Die Planungen reichen für die ersten beiden Wochen nach meiner Ankunft, studiert wird erst ein halbes Jahr später. Ich lasse es auf mich zukommen.
Arbeit
Da meine Arbeit in der Kinder- und Jugendbibliothek „Las Abejitas“ sehr abwechslungsreich ist, ist es schwer all das aufzuzählen, was ich dort in den drei Monaten erlebt habe.
Kinderzirkus Ocolmena
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: So wurden die letzten beiden Monate in unserem Kinderzirkus Ocolmena von unserer Reise in die Hauptstadt Managua, wo wir eine Aufführung in der deutschen Schule gaben, bestimmt. Wochenlang wurden Nummern eingeübt, Kostüme vorbereitet, Pläne geschmiedet. Das Wochenende vorher verbrachten wir dann alle zusammen bei einem Workshop im „Centro de Capacitación“ hier im Ort. Dort wurde den Nummern der letzte Schliff verpasst, die Musik ausgesucht und passend dazu geprobt, die Abschlussbilder geübt und fleißig an allem gefeilt.
Als es dann in die vier Stunden entfernte Hauptstadt ging, war es erstaunlicher Weise für viele unserer Artisten die erste Reise in die Hauptstadt bzw. überhaupt in eine andere Stadt. Das im Alter von sechzehn Jahren, ist in Deutschland kaum vorstellbar.
Auch war im März ein großer Zirkus aus Mexiko in der Stadt, den wir mehrfach mit den Kindern besuchten, um die verschiedenartigen Tiere zu bestaunen. Auch hier galt: Für viele war es der erste Blick auf ein Zebra, einen Elefanten, ein Lama oder einen Tiger. Die Zirkusleitung ermöglichte es uns dann auch, dass wir mit einer Gruppe von 30 Kindern eine Vorstellung kostenlos besuchen konnten, was ein weiteres Highlight für die Kinder war!
Des Weiteren gaben wir viele kleine und große Vorstellungen in Ocotal, die alle ein voller Erfolg waren. Aus unserer steigenden Beliebtheit geht auch hervor, dass unser Zirkusprojekt ständig Zuwachs bekommt. Zur Zeit haben wir über 30 Mitglieder, die sich in Disziplinen wie Einrad, Giraffe, Hochstelzen, Jonglieren mit Bällen, Keulen, Ringen, Fackeln und Macheten, Seiltanz, Devil Stick, Diabolo, Zauberer, Clown, Fakir und Hula Hopp beweisen. Der große Wunsch der Kinder ist, irgendwann auch Mal ein Trampolin zu besitzen!
Bibliothek „Las Abejitas“
Auch in der Bibliothek war einiges los. Das Bastelangebot habe ich stark ausgebaut, sodass die Kinder zweimal wöchentlich die Möglichkeit haben, sich kreativ zu betätigen.
Das geht vom einfachen Zeichnen und Malen mit Stiften und Pinseln, über Tonarbeiten, bis hin zu Papierschöpfen. Dort konnten wir große Fortschritte machen und einige schöne Resultate erzielen.
Durch den Muttertag, der hier in Nicaragua Ende Mai gefeiert wird, waren wir außerdem eine Zeitlang damit beschäftigt, Muttertagskarten zu basteln, die die Kinder ihren Müttern schenken konnten. Dabei haben sich vor allem die Jungs ganz schön ins Zeug gelegt und stundenlang konzentriert gearbeitet.
Dann stand natürlich ein deutscher Brauch in diesem Quartal an: Der Aprilscherz. Dieser durfte natürlich auch in Nicaragua dieses Jahr nicht fehlen! Da jeder zu dieser Zeit die Frage gestellt bekam, wo er denn zum Schwimmen hingehe, überlegte ich mir, den Kindern zu erzählen, dass wir ein Schwimmbecken aus Wiesbaden geschenkt bekommen hätten. Diese Nachricht verbreiteten wir unter den Zirkuskindern und auch Juve, den ich nie ungestört antreffen konnte, um ihn in den Plan einzuweihen, ging ohne zögern auf die Geschichte ein und verbreitete sie ebenfalls. An nächsten Morgen stellten wir dann einen Putzeimer mit dem Zettel „Piscina“ (Schwimmbad) auf den Rasen und warteten, dass die Kinder mit Badekleidung kamen. Bis zum Abend waren es rund 10 Stück, die ein Handtuch im Rucksack hatten, und bestimmt weitere 15, die darauf hereingefallen waren. Elvis war sichtlich enttäuscht, wollte er doch sogar eine Entschuldigung für die Schule, um schwimmen zu können....
Also ein rundum gelungener Aprilscherz!
Schon seit einiger Zeit haben wir die Zauberwörter „Bitte“ und „Danke“ bei der Bücherausgabe eingeführt, da es uns irgendwann nervte, wenn man lediglich den Buchnamen an den Kopf geknallt bekam und die Kinder und Jugendlichen dann eine Reaktion erwarteten.
Daraufhin klebte ich zwei Zettel auf den Tisch, auf denen diese groß und fett geschrieben stehen. Und Mittlerweile trägt unsere Verweigerung etwas zu tun oder das Ignorieren von Aufforderungen ohne diese Wörter Früchte. Viele Kinder haben das Prinzip verstanden und verwenden sie schon ohne Nachhaken! Also ist doch nicht Hopfen und Malz verloren!
Mal sehen was die letzten Monate noch bringen: wir hoffen auf weitere schöne Erfahrungen und Erlebnisse bis zur Verabschiedung nach Deutschland. Wer an weiteren Informationen über unseren Aufenthalt interessiert ist und auch ein Stück Nicaragua nach Hause bekommen möchte, kann auf www.lena-und-feli.jimdo.com vorbeischauen! Dort gibt es neben unseren umfangreichen Monatsberichten auch jede Menge Fotos!
Liebe Grüße aus Nicaragua sendet Lena Handschuh

