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weltwärts - Der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Erfahrungsberichte

Zwischenbericht von Julia Kist aus Chile - Juli 2008

2.Quartalbericht Juli 2008, La Pintana, Chile:

Ein halbes Jahr lebe ich nun in meiner neuenHeimat Chile als Freiwillige der Fundación Cristo Vive. Sprich die Hälfte meines Dienstes ist schon „verflogen“. Die Sprache, die Kultur und die Menschen sind mir nun vertraut und ich habe mir hier ein Leben und ein Zuhause aufgebaut, wo ich mich wohlfühle.

Bei der Arbeit im Kindergarten gab es einige Veränderungen. Zunächst einmal ist der Alltag eingekehrt. Ich weiß nun ganz genau, was meine Aufgaben sind und kann diese auch ohne Hilfe und Anweisungen ausführen.

Die Kinder in meiner Sala sehen mich nun als richtige Tía an und ich bin für sie eine wichtige Bezugsperson geworden. Ich weiß nun, wie alles im Kindergarten abläuft und kann mich selbstständig in den Tagesablauf einbringen.

Ein großer und wichtiger Fortschritt ist natürlich auch die Beziehung zu meinen Tías. Sie sind mittlerweile nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde geworden, mit denen man viel Teilen kann. Das liegt natürlich auch daran, dass das Kindergartenteam viel Wert darauf legt auch außerhalb der Arbeit Zeit zu verbringen. So haben wir z.B. schon ein kleines Grillfest bei uns im Freiwilligenhaus gemacht, was eine gute Möglichkeit war, seine Arbeitskollegen auf eine andere Art und Weise kennenzulernen.

Nicht nur in Deutschland ist eine neue Jahreszeit eingekehrt sondern auch in Chile. Wir befinden uns im Moment im tiefsten Winter. Man könnte denken, der Winter in Chile wäre nicht so hart, doch leider müssen die Menschen hier mit ganz anderen Bedingungen über die Runden kommen. So gibt es z.B. in keinem der Salas im Kindergarten eine Zentralheizung. Wenn die Kinder schlafen, wird für diese Zeit (ca. 1 Stunde) ein kleiner Gasofen eingeschaltet. Die restliche Zeit ist für die Kinder und uns Tías frieren angesagt. Das ist auch ein Grund dafür, warum in diesen Monaten die Anwesenheit der Kinder sehr gering ist. Viele sind dauerkrank, haben Husten, Fieber und sehr oft schlimme Probleme mit den Bronchien. Da trägt die verschmutzte Luft der Millionenstadt Santiago nicht zur Besserung bei. Zudem ist Gas hier ein sehr teures Gut, das heißt auch die Häuser sind meist sehr kalt, weil sich eine arme Familie nicht jede zweite Woche eine große Gasflasche leisten kann (kostet um die 15- 20 Euro).

In den letzten drei Monaten habe ich einfach noch mehr Einblicke in die Familienverhältnisse meiner Kinder bekommen, so dass ich langsam anfange zu begreifen, was Armut wirklich bedeutet. Hier in Chile ist die Armut eine andere als z.B. die in Afrika. Die Menschen leiden hier sehr selten an Hunger oder sind obdachlos. In Chile geht es vielmehr um die soziale Armut.

Es gibt viele junge Eltern, die selbst keine gute Erziehung bzw. Bildung erfahren haben. Viele haben schon mit Anfang 20 zwei Kinder, sind drogenabhängig und sehen keine Perspektive in ihrer Zukunft. Sie sind, so wie ihre Kinder später wahrscheinlich auch, in einer sozialen Schicht gefangen, aus der es sehr schwer ist heraus zu kommen. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die Bildung in Chile als Ware angesehen wird. Hat eine Familie viel Geld kann sie sich eine bessere Privatschule leisten. Hat eine Familie wenig Geld, muss sie sich mit den öffentlichen und meist schlechten Schulen zufrieden geben. Es ist ein Teufelskreis aus dem es schwer ist zu entrinnen.

Nun akzeptiere ich auch mehr, dass es im Kindergarten einen so strengen Tagesablauf gibt. Die Tías wollen die Kinder so gut wie möglich auf die Schule vorbereiten und ihnen in kurzer Zeit so viel Wissen wie möglich vermitteln.

Ich merke einfach mit jedem Tag, wie ich dazu lerne und die Menschen und ihre Kultur besser verstehe.

Ich freue mich auf die kommenden Monate und bin gespannt, welche neuen Eindrücke ich machen werde.


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