Erfahrungsberichte
Quartalsbericht Hannes Korn aus Tansania - Februar 2009
Gleich zum Anfang des Monats Dezember hatten wir das Glück einen deutlichen Vergleich zwischen der Arbeit der NGO „Partage“, in deren Schule wir arbeiten, und einem weiteren Hilfsprojekt ziehen zu können, das sich ebenfalls um die Betreuung und Ausbildung von Waisenkindern kümmert.
Im direkten Vergleich zu diesem Projekt hat sich sehr deutlich gezeigt, was für gute Arbeit Partage in der Region leistet...
Bedauerlicherweise wurden uns zur Mitte des Monats hin unsere vier Solarpanels vom Dach gestohlen. Dies hatte nicht nur einen erheblichen zusätzlichen Aufwand wie diverse Berichte für die Polizei und Gespräche mit möglichen Zeugen nach sich gezogen. Zusätzlich hatten wir keinen dringend benötigten Strom mehr, um diverse Dokumente zusammenzustellen. Auf die Beleuchtung des Hauptraumes verzichteten wir entweder ganz, oder versuchten Kerzen oder die Taschenlampen in unseren Handys zu verwenden. Dieser Umstand erschwert sowohl das Arbeiten als auch das Leben immens.
Unseren Unterricht haben wir wie üblich fortgesetzt, es ging um die Theorie der Ofenherstellung. Zusätzlich sollten wir noch einen Abschlusstest für die Erneuerbare-Energien-Stunden entwerfen. In diesem haben wir hauptsächlich Wissen zum Energiesparen beim Kochen, sowie einige Grundlagen wie Wasser-, Wind- und Luftkreislauf abgefragt.
Das Ergebnis war gespalten: wir haben den uns als üblich vorgestellten Bewertungsmaßstab verwendet. Dennoch hat etwa die Hälfte der Schüler mit der schlechtesten Note (F) abgeschnitten. Erfreulicherweise waren auch durchaus mehrere sehr gute Klausuren mit dabei. Auffällig war, dass es praktisch kein Mittelfeld gab. Aus diesem Fakt schließe ich, dass die Schüler, die die Inhalte unseres Unterrichts verstehen, damit auch sehr gut zurecht kommen, wohingegen die übrigen Schüler vermutlich komplett das Interesse verlieren.
Am 19.12.08 lag die Abschlussfeier des ersten Abschlussjahrgangs an. Diese Feierlichkeiten wurden überaus penibel geplant und mit viel Aufwand und Hingabe vorbereitet. Der 3. Jahrgang hat sogar in der Nacht vor den Feierlichkeiten in der Schule übernachtet, um am nächsten Morgen direkt um 4 Uhr morgens mit dem Kochen anfangen zu können. Bis auf das Wetter, das für extrem starken Regen sorgte, waren die Feierlichkeiten ein voller Erfolg.
Direkt nach der Feier haben wir unsere Reise nach Dar es Salaam und später weiter nach Sansibar wie zum Zwischenseminar angetreten. Es war bedauerlich, dass wir dafür die Feierlichkeiten schon vorzeitig verlassen mussten, aber aufgrund der extrem schlechten Anbindung Bukobas an den Rest des Landes war ein späterer Abreisezeitpunkt nicht möglich.
Die Reise zum Zwischenseminar hat durch seine Abwechslung vom Alltag sowie den regen Ideenaustausch mit den anderen Freiwilligen zu einem erneuten Aufschwung in der Arbeitsmoral geführt.
So sind nach der Rückkehr diverse neue Projektideen erwachsen. Dazu gehört unter anderem die Gründung von zwei Schülerfirmen, in denen die Schüler einen zusätzlichen Anreiz finanzieller Natur haben, etwas zu lernen.
Eine weitere wichtige Neuerung ist, dass wir nun damit beginnen werden, einen Schüler zum zukünftigen Lehrer für erneuerbare Energien auszubilden. Mit Partage besteht die Absprache, dass dieser nach der Beendigung seiner Ausbildung übernommen wird und eine Lehrerstelle am Vocational Training Centre Bwoki Partage angeboten bekommt. Hierdurch wird der Unterricht nach und nach in tansanische Hand überführt und ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan.
Der Februar war hauptsächlich geprägt von der Initialisierung der zwei Schülerfirmen.
Wir haben schon gleich zu Beginn viel Zeit darauf verwendet, damit zu beginnen, einen Ofen zu bauen, der von einer der Firmen dazu verwendet werden soll, Brot zu backen. Dabei haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler der „Ziegel- und Ofenbaufirma“ selbst den handwerklichen Part des Ofenbaus übernehmen. Dies ist zwar weit aufwändiger, als den gesamten Ofen selbst zu mauern, aber dafür lernen die Schüler direkt den Bau dieses Ofentyps sowie die Grundlagen des Mauerns und dass man bei der Zementmischung für einen Ofen Besonderheiten beachten muss, damit sich später keine Risse bilden.
Auch die andere Schülergruppe wurde gestartet: Die eine Gruppe hat mittlerweile schon eine große Menge Nudeln hergestellt. Anfangs mussten diese noch mit der Hand hergestellt sowie einzeln mit dem Messer geschnitten werden, was einen unrentablen Zeitaufwand verursacht hat. Mittlerweile verfügen wir über eine Nudelmaschine mit welcher das Ausrollen sowie das Schneiden der Nudeln deutlich schneller von Statten geht. Außerdem nimmt auch die optische Qualität des Produktes deutlich zu gegenüber der vollständig manuellen Herstellung.
Die selbe Gruppe, die die Herstellung von Nudeln lernen und übernehmen soll, hat ebenfalls mit der Herstellung von Seife begonnen.
Da der Backofen noch nicht fertig gestellt ist, konnten wir leider noch nicht mit dem Backen von Brot mit dieser Gruppe beginnen.
Für die Teilnehmer der Ofenbau- und Ziegelsteingruppe hat es in diesem Monat ein einwöchiges Ofenbauseminar im Nachbardorf Kashasha gegeben. Dieses Seminar wurde vom dort ansässigen Maurer-Lehrer Steven Matungwa geleitet. Es wurden die Grundlagen des Ofenbaus sowie der Bau von zwei speziellen Ofentypen unterrichtet: ein Typ wird aus Ziegelsteinen gemauert, der zweite Typ ausschließlich aus Lehm hergestellt.
Gegen Anfang des Monats ist mein Vater aus Deutschland in Dar es Salaam eingetroffen. Zusammen mit ihm habe ich innerhalb von etwa drei Wochen nacheinander alle Einsatzstellen der DTP besucht. Dabei war es für uns meiner Meinung nach besonders hilfreich, die in Mafinga hergestellten Produkte zur erneuerbare Energien Nutzung kennenzulernen, da diese oftmals große Ähnlichkeiten mit von uns für Bwoki geplanten Projekten aufweisen. Speziell die dort vorhandenen Solarkocher sollen hier ebenfalls probehalber als Prototyp hergestellt werden. Auch die Betrachtung der solaren Warmwasserbereitung in Mafinga war sehr aufschlussreich. Und natürlich war es für uns sehr aktuell, das dort hergestellte, ausgefeilte Ofenmodell, dass auch im Haus der Freiwilligen eingesetzt wird, in Funktion zu sehen und die genaue Funktionsweise erklärt zu bekommen.
Da wir eine Schülergruppe anleiten, die in absehbarer Zukunft dahin gebracht werden soll, dass sie selbstständig und ohne Hilfe der Freiwilligen produktiv und gewinnbringend arbeitet, habe ich auch sehr viel aus der Arbeit der beiden Freiwilligen der DTP in Arusha lernen können. Diese versuchen zur Zeit, die von ihnen betreute Frauengruppe möglichst selbstständig die notwendigen Präsentationen organisieren zu lassen. Dabei stoßen sie auf Probleme, die aller Wahrscheinlichkeit nach bei uns in der gleichen Form auftreten werden, wenn wir uns aus der Organisation der Schülerfirmen zurückziehen. Auf diese Weise können wir die sich ergebenden Probleme hoffentlich von vorn herein besser einschätzen und vielleicht leichter gute Lösungen finden.
Uns kommen in regelmäßigen Abständen neue Ideen für Projekte, die wir hier zusätzlich durchführen könnten, doch es ist leider schon jetzt deutlich absehbar, dass uns nicht hinreichend Zeit hierfür zur Verfügung steht. Immerhin ist mein Suaheli jetzt deutlich besser geworden, so dass es für den alltäglichen Gebrauch beinahe ausreicht, nur zur Unterrichtsvorbereitung muss ich noch regelmäßig das Wörterbuch zur Hand nehmen.
Für die kommenden Monate wird die von uns durchgeführte Planung und der Bau einer Biogasanlage auf dem Schulgelände einen Großteil der anfallenden Arbeit ausmachen. Da uns die volle Verantwortung für dieses Unterfangen übertragen wurde, ist eine überaus penible Planung unsererseits von Nöten.

