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weltwärts - Der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Erfahrungsberichte

Erfahrungen von Philipp Ziser als weltwärts-Freiwilliger in Burundi - April 2008

Philipp Ziser (25) aus Karlsruhe, ehemaliger Journalismus- und Geschichtsstudent, war am 17. Januar als Freiwilliger der Entsendeorganisation burundikids e.V. in Berlin dabei, als Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die ersten rund 50 weltwärts-Freiwilligen verabschiedete und ihnen Dank für ihr entwicklungspolitisches Engagement aussprach.

Philipp_Verena-StammSeit dem 1. März 2008 ist Philipp nun zum zweiten Mal in Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, einem kleinen Staat im Osten Afrikas und arbeitet dort für zwei Jahre als Freiwilliger in einem Projekt der Fondation Stamm. „Ich bin zuständig für die Kommunikation zwischen Burundi und Deutschland, das heißt zum Beispiel Berichte und Anträge schreiben, Spenden sammeln, Projektpläne erstellen und Partnerschaften pflegen.“ Er lebt dort in einem Waisenhaus zusammen mit 65 Kindern. Wenn es möglich ist, verbringt er auch mit ihnen die Freizeit und hilft ihnen bei den Hausaufgaben.

Die Arbeit mit den Burundiern - nur die Leiterin der Organisation, Krankenschwester Verena Stamm und die anderen Freiwilligen sind keine Einheimischen - macht ihm Spaß und er fühlt sich ernst genommen. Das Schöne sei vor allem, dass man täglich Erfolge sehen könne und man „den direkten Draht“ zu den Menschen habe. Gerade hierfür ist es unabdingbar, mit den Menschen kommunizieren zu können. Insofern seien gerade die Sprachkenntnisse eine wichtige Voraussetzung für einen Freiwilligeneinsatz, meint Philipp: „Sonst bringt man der jeweiligen Organisation recht wenig. Für einen selbst ist solch ein Einsatz immer eine tolle Erfahrung, die einen weiter bringt, klar. Aber ich bin der Meinung, dass der Einsatz eines Freiwilligen der jeweiligen Organisation auch etwas bringen sollte – außer Kosten.“

Was sollte man sonst noch mitbringen? „Offenheit. Aber ich denke, wer sich für so etwas bewirbt, ist schon offen für Neues. Vor allem aber sollte man sich anpassen können und wollen. Respekt ist das A und O. Und wenn man etwas gesagt bekommt, sollte man sich auch daran halten und es nicht besser wissen wollen.“

Motivation zu helfen – eine wichtige Voraussetzung
Motivation, helfen zu wollen, spielt natürlich ebenfalls eine große Rolle, genau wie die Bereitschaft, sich schon im Vorfeld des Freiwilligeneinsatzes für das zukünftige Projekt zu engagieren: „Ich bin mit dem Gefühl nach Burundi gereist, etwas verändern zu wollen. Nicht die Welt, das kann ich nicht. Das können nur andere. Aber die Politik und Wirtschaft können nur einen gewissen Rahmen bauen und bilden. Es braucht Leute, die in diesem Rahmen an der Basis arbeiten, Projekte umsetzen, ein Ohr an der Bevölkerung haben. Vor meinem Einsatz habe ich unter anderem an Schulen Vorträge gehalten, Artikel veröffentlicht und Spenden gesammelt. Außerdem arbeite ich seit einem Jahr an dem Wiederaufleben der Partnerschaft Burundis mit Baden-Württemberg.“

Gerade wegen dieser hohen Motivation und dem dringenden Wunsch zu helfen, konnten ihn auch gewisse Dinge nicht von seinem Plan abbringen, die nächsten zwei Jahre mehrere tausend Kilometer von zu Hause entfernt zu leben, vor denen viele junge Menschen Angst haben: „Meine Familie und Freunde waren natürlich traurig. Dennoch haben sie mich alle mit Verständnis – und Unterstützung gehen lassen.“ Auch Philipp ist es nicht leicht gefallen, sie zurückzulassen. „Gut zu wissen ist, dass ich hier auch so etwas wie eine Familie habe. Was kein Ersatz für die Leute zu Hause ist und auch nicht sein soll. Aber niemand ist aus der Welt. Nur eben ein Stück weiter weg.“

Neue Erfahrungen
Gute Erfahrungen hat Philipp während seiner Zeit in Burundi schon viele gemacht – auch wenn Probleme natürlich nicht Phil-in-Burundiausbleiben.
„Die schönsten Momente bescheren einem natürlich die Kinder. Ihr Lachen gibt einem soviel zurück, dass man gar nicht mehr anders kann, als das zu tun, was man tut. Die Arbeit mit ihnen ist das Erfüllendste überhaupt. Und wenn man sieht, was man alles erreichen kann, dann macht auch der stressigste Arbeitstag nicht sehr viel aus.“

Mit welchen Problemen wird man denn konfrontiert? „Nun ja“, antwortet Philipp, „mit fast allem, was man sich vorstellen kann im ärmsten Land der Welt. Aber es gibt nichts, wofür es nicht eine Lösung gäbe. Man muss an einem bestimmten Punkt eben die Kurve kriegen und Niedergeschlagenheit in Motivation umwandeln. Probleme in der Form, dass ich Angst um mich gehabt hätte, das kam noch nie vor.“

Stattdessen schwärmt er: „Ich profitiere schon jetzt von meinen Erfahrungen aus Burundi. Es ist kein Beruf für mich, sondern eine Berufung. Es ist genau das, was ich machen möchte. Und außerdem lässt sich das ja prima mit Journalismus und Fotografie verbinden.“

Philipp ist sich sicher. Er möchte später in der Entwicklungszusammenarbeit bleiben: „Mein kleiner Traum ist es, vielleicht irgendwann ein eigenes kleines Projekt zu haben, in dem ich junge Journalisten für Burundi ausbilden kann. Ideen hierfür habe ich schon. Wichtig wäre aber, dass auf beiden Seiten noch viel passiert. Im Norden wie im Süden. Denn nur gemeinsam lässt sich etwas ändern.“

(Steffen Stürznickel)


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