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Kasikonde: Ein Zirkus für Kampala

Vivienne unterstützt benachteiligte Kinder

Manege frei für Kampala – Vivienne hilft in Uganda, den Circus Kasikonde aufzubauen. Das Projekt möchte tanz- und theaterbegeisterte Kinder fördern und ihnen helfen, ihrer schwierigen Lebenssituation mit mehr Selbstbewusstsein entgegenzutreten.

Im Dezember steigt Vivienne L. (20) in den Flieger, der sie nach Kampala bringt. Eigentlich verließ sie die Hauptstadt Ugandas gerade erst. Doch es zieht sie zurückin ihr Einsatzland, denn sie hat Großes vor. Der Zufall brachte die Kölnerin im September 2012 in das faszinierende Land. Nach ihrem Abitur entschied sie sich für einen Freiwilligendienst in Afrika. Dass sie nach Kampala kam, war „reiner Zufall“. „Und wie das bei den meisten ist, die dort waren: einmal Uganda, immer Uganda. Wer dort war, der kommt wieder“, meint Vivienne.

Vivienne entdeckt das Circus-Projekt Kasikonde

Während ihres Freiwilligendienstes engagierte sie sich im Café Pop up, in dem behinderte Jugendliche arbeiten können. Dort übernahm sie die PR-Arbeit und organisierte Film- und Themenabende, um das Café als Anlaufstelle für Jugendliche populärer zu machen. Der Wunsch, sich weiterhin kulturell zu engagieren, wuchs in ihr. Während ihrer Zeit im Pop up knüpfte sie viele Kontakte in der pulsierenden und internationalen Hauptstadt Ugandas. So traf sie Giacomo, einen italienischen Zahnarzt, der schon seit vielen Jahren in der Stadt lebt und arbeitet. Er gründete 2012 das Circus-Projekt und war auf der Suche nach Begeisterten, die ihn bei dem Aufbau des Projektes unterstützen. Ein glücklicher Zufall für Vivienne. Denn ihre große Leidenschaft ist der Circus. „Bereits von klein auf hängt mein Herz am Circus und ich fühle mich dort zu Hause“, so die junge Kölnerin. Als Schülerin war sie Mitglied im Linoluckynelli, einem Kinder- und Jugendcircus in Köln. Dort fuhr sie Einrad, tanzte auf dem Seil oder trat als Clown auf. Vivienne versprach Giacomo, zurückzukommen und ihn zu unterstützen.

Mit mehr Selbstbewusstsein dem harten Leben entgegentreten

Der weltwärts-Einsatz zeigte ihr, wie wichtig das soziale Lernen für die Entwicklung der Kinder ist. In Uganda haben nur die wenigsten die Chance auf eine gute Schulbildung. Die Schulpflicht endet nach der sechsten Klasse. Da sind die meisten Kinder gerade einmal zwölf oder 13. Eine weiterführende Schule oder gar der Besuch einer Universität? Für die meisten nicht zu bezahlen. Die Gebühren lassen sich mit denen von privaten Hochschuleinrichtungen in Deutschland vergleichen. Nach der sechsten Klasse ist also Endstation. Der Tag hat ab hier wenig Struktur und das Leben oft keine Richtung.

Das Circus-Projekt möchte den Kindern Raum bieten, an sich arbeiten zu können und den Tag zu strukturieren. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich künstlerisch auszudrücken, etwas nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen auf die Beine stellen und ihr Selbstbewusstsein stärken, um der schwierigen Lebenssituation sicher entgegenzutreten. Vivienne bemerkte auf ihrer ersten Reise, wie viele tolle Tänzer und Artisten es in der Stadt gibt. Allerdings ist es in Uganda sehr schwierig, sich fortzubewegen. Die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel sind unverhältnismäßig teuer. So kommt es leider, dass sich die meisten Künstlergruppen untereinander nicht kennen. Vivienne möchte ihre Zeit in Uganda zudem nutzen, um die vielen Künstler zusammenzuführen und eine Art Netzwerk für Artisten zu spannen, um sie zum gemeinsamen Arbeiten zu bewegen.

Der Wunsch nach einem richtigen Circuszelt

Auftritt des Zirkus Kasikonde

Seit ihrer Rückkehr im September ist Vivienne unermüdlich damit beschäftigt, das Circus-Projekt voranzutreiben. Sie kontaktiert und informiert Stiftungen und Organisationen, um Spenden zu erhalten, mit der die ersten Schritte finanziert werden können. Bisher trainieren die Kinder nur in einem Raum. Der größte Wunsch ist irgendwann einmal ein richtiges Circuszelt in Kampala aufstellen zu können. Derzeit werden die Kinder vor Ort von einem Ugander trainiert. Kasikonde würde ihn in kommender Zeit gerne fest einstellen, damit die Kinder eine konstante Anlaufstelle in der Einrichtung haben und damit er einen festen Job hat, von dem er leben kann.

Vivienne wird die Jugendlichen trainieren, eine eigene Show entwickeln, Auftrittsmöglichkeiten organisieren, Öffentlichkeitsarbeit leisten und weitere Trainer suchen, die die Kinder unterrichten werden. Doch trotz der vielen Arbeit, die auf sie zukommt, freut sich Vivienne sehr auf ihre Reise. „Vor allem macht es mich glücklich, all meine Zeit und all meine Kreativität für diese Projekt zu geben“, sagt sie. Vor Viviennes Circus-Truppe liegt eine Menge Arbeit, aber auch eine Menge Spaß! Wir sind gespannt, was sie uns in einem halben Jahr über die Entwicklungen im Circus Kasikonde berichten kann und wünschen ihr alles Gute und viel Erfolg auf ihrer zweiten großen Reise.

Autorin: Helena Schwar

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