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Eine große Chance!

Portrait von Nancy

Von Montebello nach Wiesbaden

Nancy Andrea Rengifo Lorza kommt aus Montebello, einem rasch wachsenden, strukturschwachen Außenbezirk von Cali, in dem sich vor allem Bürgerkriegsflüchtlinge angesiedelt haben. Dort arbeitet sie im Colegio de las Aguas als Grundschullehrerin. Seit Februar ist Nancy Freiwillige an der Montessori-Schule Campus Clarenthal in Wiesbaden.

Nancy, warum hast Du Dich für einen Freiwilligendienst in Deutschland entschieden?

Ich möchte mich persönlich weiterentwickeln. Für mich ist dieser Freiwilligendienst eine große Chance. In Montebello leben die meisten Menschen in einfachsten Verhältnissen. Dort bin ich seit acht Jahren Lehrerin am Colegio de las Aguas. Diese Schule bietet über 300 Kindern nicht nur eine Schulbildung von der Grundschule bis zum Abitur, sondern auch eine Nachmittagsbetreuung und zwei Mahlzeiten täglich. Die Arbeit in Montebello und mit dem Kollegium des Colegio de las Aguas macht mir sehr viel Spaß. Wir haben auch immer deutsche Freiwillige an der Schule und in den anderen Projekten der Fundación Escuela para la Vida. Mir ist aufgefallen, dass diese eine sehr integrale Bildung mitbringen. Während meines Freiwilligendienstes an einer deutschen Montessori-Schule möchte ich deshalb neue pädagogische Ansätze für die Arbeit mit den Kindern und neue didaktische Materialien kennenlernen, um diese auf unsere Schule in Montebello zu übertragen.

Mit welchen Vorstellungen bist Du nach Deutschland gekommen?

Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu den deutschen Freiwilligen in der Fundación, da haben sich gute Freundschaften entwickelt. Daher hatte ich schon erste Vorstellungen, von dem was mich erwartet. Mir wurde aber auch immer wieder gesagt, dass ich offen und ohne feste Erwartungen an den Freiwilligendienst herangehen soll. Als ich dann im Flughafen Frankfurt ankam, war ich erst mal etwas verunsichert, weil ich nicht viel Deutsch sprechen konnte. Aber glücklicherweise hat mich eine ehemalige Freiwillige vom Flughafen abgeholt.

Die Sprache fällt mir immer noch schwer. Einmal wollte ich morgens in einem Café einen Vanillekuchen bestellen. Stattdessen habe ich ein Vanille-Eis erhalten – und das zum Frühstück.

Was mir auch auffällt, ist die Ordnung in Deutschland, zum Beispiel im Verkehr. Alles ist gut und im Voraus geplant. In Kolumbien sind wir eher Improvisationstalente.

Kannst Du schon ein Resümee aus Deinem Freiwilligendienst ziehen?

Ich habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht und nette Menschen kennengelernt. Mit meiner Gastmutter verstehe ich mich sehr gut. Auch die Schule gefällt mir sehr. Das Kollegium ist sehr nett und offen. Ich gebe Spanisch- und Kunstunterricht – Kunst ist auch mein Schwerpunkt in Kolumbien. Außerdem helfe ich den Kindern bei ihren Aufgaben und ich bin in der Nachmittagsbetreuung. Die Klassen sind sehr klein, etwa 15 Kinder. In Kolumbien sind oft 60 Kinder in einer Klasse und der Unterricht ist ein traditioneller Frontalunterricht. In der Montessori-Schule hingegen arbeiten die Kinder in ihrem eigenen Rhythmus an selbst gewählten Aufgaben mit selbstgewählten Materialien. Alles was sie dazu benötigen, ist in der Schule vorhanden. Das wird sicher nicht eins zu eins auf das Colegio de las Aguas zu übertragen sein, alleine wegen der nötigen finanziellen Ressourcen. Aber ich würde gerne mit meinen Erfahrungen aus Deutschland in Kolumbien etwas Neues gestalten.