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„Der Wandel einer einzigen Person kann das Leben vieler verändern“

Portrait Lourdes Jibaja

Der Freiwilligendienst gibt Impulse, nicht nur für die Freiwilligen

Lourdes Jibaja ist Lehrerin und Geschäftsführerin der Asociacion Cultural Estrella del Sur in Peru. Die Organisation fördert mit Unterstützung der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners die Bildung benachteiligter Kinder und Jugendliche nach der Waldorfpädagogik. Im Rahmen ihres Auslandsdienstes unterstützen die Freiwilligen nicht nur eine kleine Schule in den Anden, sondern arbeiten auch bei Kleinprojekten im Regenwald mit.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die Freiwillige mitbringen sollten?
Lourdes Jibaja: Am Wichtigsten ist Sanftmut, denn wir arbeiten mit Menschen, die vom Leben benachteiligt wurden. Der peruanische Staat kümmert sich kaum um die Versorgung und den Schutz von Kindern, Frauen und Alten und so gibt es trotz entsprechender Gesetze kaum soziale oder pflegerische Angebote für benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Außerdem sollten die Freiwilligen Humor und Toleranz mitbringen, beispielsweise in Bezug auf ihnen fremde Gewohnheiten oder die hygienischen Bedingungen in einigen unserer Einsatzgemeinden.

Wie hat Sie das Engagement der Freiwilligen bisher unterstützt?
Lourdes Jibaja: Wenn die Freiwilligen sich drei Wochen in den Regenwald begeben und zum Beispiel eine Trinkwasserversorgung mit aufbauen, fühlen sie sich als Akteure des Wandels. Sie bewirken aber auch einen Wandel im Selbstwertgefühl der abgelegenen, vernachlässigten Gemeinden und werden in diesem Sinne zu strategischen Verbündeten. Sie geben den Menschen Impulse und Motivation nach dem Motto: „Wenn die Freiwilligen etwas für unsere Gemeinde tun, so können wir das auch!“.

Welche Impulse gehen von weltwärts über den Freiwilligeneinsatz hinaus für Ihre Organisation aus?
Lourdes Jibaja: Wir haben in der Zusammenarbeit mit Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners viel über Projektentwicklung und -management gelernt. Hilfreich ist auch die Unterstützung für Kleinprojekte, wie die Lehr- oder Biogärten, welche die Freiwilligen generieren. Andere Kleinprojekte und Ideen, wie zum Beispiel die Suppenküche, sterben allerdings, wenn ihre Initiatoren, einzelne Freiwillige, wieder gehen.

Was nehmen die Freiwilligen aus ihrem Einsatz mit?
Lourdes Jibaja: Die meisten Freiwilligen empfinden ihren Einsatz im Regenwald als einen besonderen Höhepunkt. Die Erfahrungen, die sie dort machen, zeigen ihnen ihre eigenen Möglichkeiten Dinge zu verändern und über einen Wandel der eigenen Sicht- und Handlungsweise das Leben vieler zu verändern. Sie lassen das Oberflächliche hinter sich.

Was wünschen Sie sich von den Freiwilligen?
Lourdes Jibaja: „Ich würde mich freuen, wenn der Dienst den Freiwilligen hilft, ihren Weg im Leben zu finden in einer Welt, die immer verwirrender wird. Wir bieten den Freiwilligen hier Räume, in denen sie sich entfalten und etwas auf die Beine stellen können Sie sollten nicht mit einer Liste der Dinge kommen, die sie benötigen, sondern selber Wege suchen, um Dinge zu verwirklichen.

Das Interview wurde von Daniela Schuster (Engagement Global) geführt.

Bildergalerie

Der Stundenplan auf der Hauswand informiert über die Angebote der Waldorfschule. © Foto: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners
Sowohl Holzarbeiten als auch Handarbeiten stehen auf dem Programm der Schule. © Foto: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners.