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"Mit dem Rollstuhl nach Bangkok? Warum nicht?!"

weltwärts mit Behinderung

Der 25-jährige Politikwissenschaftler Kay L. aus Solingen arbeitet in Thailand für die Organisation "Disabled Peoples", die eine Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Behinderungen unterstützt. Im Interview erzählt er von seinen Erwartungen an den Einsatz und seinen Erfahrungen mit dem Rollstuhl in Bangkok.

Warum hast Du Dich für weltwärts entschieden?

Der Freiwilligendienst gibt mir die Möglichkeit, einen anderen, mir noch weitgehend unbekannten Teil der Welt mit seinen Menschen und seiner Kultur kennenzulernen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich mit den Menschen über Ihre Erfahrungen und insbesondere die Situation von Menschen mit Behinderungen auszutauschen und mit Ihnen meine eigenen Erfahrungen, die ich größtenteils in Europa gemacht habe, zu teilen.

Weshalb hast Du Dich für diese Einsatzstelle beworben?

Ich arbeite für Disabled Peoples' International Asia Pacific, eine Organisation, die den Aufbau von Selbsthilfeorganisationen von Menschen mit Behinderungen in Asien unterstützt. Ich habe selbst bereits Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen in Europa gesammelt und möchte mich nun zum einen mit Erfahrungen in die Arbeit der Organisation einbringen und zum anderen viel von den Erfahrungen der Organisation lernen, und dieses Wissen in meinem weiteren Werdegang nutzen.

Du bist seit zwei Wochen in Thailand. Welches sind Deine Aufgaben?

Meine täglichen Aufgaben liegen im Moment im Bereich des „Info Support“, dies bedeutet, dass ich für die Bearbeitung der eingehenden Mails verantwortlich bin. Eine weitere Aufgabe ist es, den wöchentlichen Newsletter zusammenzustellen und den hierfür angelegten Email-Verteiler zu pflegen. Außerdem habe ich immer wieder Gelegenheit Kollegen zu teils mehrtägigen Veranstaltungen in Bangkok und anderen Teilen Thailands sowie im Ausland zu begleiten.

Mit welchen Herausforderungen hast Du gerechnet? Wie kommst Du im Alltag zurecht?

Vor meiner Abreise nach Thailand ging ich davon aus, dass eine der größten Herausforderungen während meines Aufenthalts dort die Fortbewegung mit einem Rollstuhl sein würde. Dies erschien mir, besonders vor dem Hintergrund der Infrastruktur in Bangkok speziell für Menschen mit Behinderungen eine besondere Schwierigkeit zu sein Ich war mir jedoch sicher, dass sich hierfür vor Ort, auch in Zusammenarbeit mit und aus den Erfahrungen der anderen Mitarbeitern meiner Partnerorganisation, praktikable Lösungen finden lassen würden. Meine Einschätzung hat sich weitgehend bestätigt.

Keines der zur Verfügung stehenden öffentlichen Verkehrsmittel ist vollständig barrierefrei. Hoch- und U-Bahn verfügen nur an wenigen Stationen über Aufzüge, ansonsten gibt es Rolltreppen oder sogar nur Treppen. Um zu den Rolltreppen, die ich mittlerweile benutzen gelernt habe, zu gelangen, müssen wiederum Stufen überwunden werden, wofür ich auf Hilfe angewiesen bin. Das sehr großflächige Busnetz verfügt leider nicht über Niederflurfahrzeuge und das Begleitpersonal ist nicht daran gewöhnt, Hilfestellung beim Ein- und Aussteigen zu geben. Meine Busfahrten haben deshalb auch schon des Öfteren zu Irritationen beim Personal geführt.

Meine Kollegen und Kolleginnen legen alle Wege ausschließlich mit dem Taxi oder Fahrdienst oder in der näheren Umgebung „zu Fuß“ zurück. Sie sind jedes Mal sehr erstaunt, wenn ich berichte, welche Orte ich jüngst mit öffentlichen Verkehrsmitteln besucht habe.