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Dominikanische Republik: Eine Tischlerausbildung schafft Berufschancen

Portrait von Jakob M.

Jakob hat mit einer Waldbauernkooperative einen Ausbildungsbetrieb aufgebaut

Der Tischlergeselle Jakob M. hat mit der Entsendeorganisation Ecoselva e.V. zwölf Monate in Restauración, einem kleinen Ort in der Dominikanischen Republik an der Grenze zu Haiti verbracht. Er unterstützte ASODEFOREST, eine Vereinigung von rund 200 Waldbauern beim Aufbau einer kleinen Tischler-Schule. Damit soll die Wertschöpfung der Ressource Holz gesteigert werden.

Mir fällt es mittlerweile mehr oder weniger schwer auf Deutsch zu erzählen, was sich hier in Restauración in den letzten Monaten so getan hat, da ich sehr wenig Kontakt mit der deutschen Sprache hatte. Nichtsdestotrotz möchte ich es versuchen.

Die Idee einer Tischlerschule entsteht

Ich kann mit viel Stolz behaupten, dass die Tischler-Schule große Fortschritte gemacht hat. Der Umschwung begann mit einem für eigentlich kurze Zeit gedachten Projektes der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ):Sechs Jugendliche aus dem Nachbarland Haiti ohne jegliche Vorkenntnisse im Tischlern sollten angeleitet werden, 30 Bänke für eine Kirche in einem kleinen Dorf in Haiti zu fertigen.

Mit dem Ergebnis waren alle sehr zufrieden und bei den Jugendlichen erwachte das Interesse das Tischlerhandwerk zu erlernen und damit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu bestreiten. Wir haben uns mit dem Projektleiter der GIZ zusammengesetzt, um einen Weg zu finden ihnen die Ausbildung zu ermöglichen.

Ein Tischler begeistert sich für die Idee

In der Tischlerei werden vor allem Möbel hergestellt.
In der Tischlerei werden vor allem Möbel hergestellt. Foto: Jakob Mensing

In Restauración gibt es zwei kleine Tischlereien. Eine der beiden hatte den Betrieb weitgehend eingestellt. Da sie aber genügend Platz bot, haben wir mit dem Tischler Gonzalo Almonte gesprochen und ihn für die Idee einer Tischler-Schule begeistert. Ich habe eine Betonplatte für den Maschinenpark erstellt und der Tischler hat Maschinen und Werkzeuge besorgt.

Die fünf interessiertesten Jugendlichen haben in dem Haus des Tischlers eine Unterkunft gefunden, die GIZ übernimmt die Finanzierung der zusätzlichen Matratzen und der Verpflegung. Des weiteren konntenwir den Auszubildenden eine kleine monatliche Vergütung zusagen, da wir nun Aufträge für Kunden abarbeiten und somit endlich ein bisschen Geld ins Projekt fließt. Wir stellen Möbel für den regionalen Markt her und liefern beispielsweise an Schulen.

Ausbildung mit Hindernissen

Die Auszubildenden zeigen viel Geschick bei der Bearbeitung des Holzes.
Die Auszubildenden zeigen viel Geschick bei der Bearbeitung des Holzes. Foto: Jakob Mensing

Fünf Auszubildende auf einen Tischlergesellen! Es war nicht einfach zwischen ASODEFOREST, den Auszubildenden, dem Tischler, der Köchin, und der GIZ zu vermitteln, Kundengespräche zu führen, Arbeitsabläufe zu planen, bei Krankheiten oder Verletzungen zumindest finanziell zur Genesung beizutragen und bei privaten Problemen der Auszubildenden zur Verfügung zu stehen. Auch die Materialbeschaffung war nicht ganz einfach. Um Holzdübel zu bekommen, muss man in die 150 Kilometer entfernte Stadt Santiago fahren. Holz ist das einzige, das hier immer vorhanden ist, leider selten ausreichend getrocknet.

Leider wussten zwei der Auszubildenden sich nicht zu benehmen. Da sie trotz mehrmaligen Aufforderungen ihr Verhalten nicht änderten, waren sie nicht mehr tragbar und wir mussten sie nach Hause schicken. Nun sind es also nur noch drei Auszubildende, die allerdings ein beeindruckendes Interesse und teilweise ein bewundernswertes Talent haben. Die Werkstatt hat sich ebenfalls sehr weiterentwickelt. Der Maschinenpark hat sich verdreifacht und auch an Qualität zugenommen. Zweimal wurden nachts Werkzeuge und Maschinen gestohlen. Nach kurzer Verzweiflung haben wir die gestohlenen Dinge durch höherwertige ersetzt und somit hatte das Ganze dann auch einen guten Aspekt.

Arbeiten bei Stromausfall

In der Schreinerei wird gearbeitet, wenn es Strom gibt – auch Nachts.
In der Schreinerei wird gearbeitet, wenn es Strom gibt – auch Nachts. Foto: Jakob Mensing

Was uns in der Weiterentwicklung ausbremst, ist das Fehlen eines Generators. Wir haben unsere Arbeitszeiten an die Zeiten, in denen es Strom gibt, angepasst und können somit acht Stunden am Tag arbeiten. Es gibt nahezu verlässliche Zeiten, zu denen Strom vorhanden ist. So arbeiten wir an manchen Tagen von acht bis zwölf, sowie von fünf Uhr nachmittags bis neun oder zehn in der Nacht, an anderen Tagen von zehn bis zwölf, dann von zwei bis fünf und von zehn Uhr nachts bis teilweise zwei Uhr nachts. Wenn nicht gearbeitet werden kann, erledige ich Kundengespräche und Materialeinkäufe. Es ist zwar sehr viel Arbeit, aber die Ergebnisse sind es wert. Damit meine ich nicht nur die sichtbaren, sondern auch die sehr zufriedenstellenden Fortschritte der Auszubildenden.

Privat geht es mir auch weiterhin sehr gut hier. Ich verstehe mich weiterhin sehr gut mit meiner Familie und genieße es einfach wahnsinnig hier in diesem wunderschönen Land zu sein. Vielen Dank!