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"Ich möchte mich weiter mit Freiwilligenarbeit beschäftigen"

Portrait Gottfried M.

Gottfried unterstützt eine Entsende- und Aufnahmeorganisation in Argentinien

Gottfried M. (25) hat von Juli 2009 bis Juli 2010 mit weltwärts einen Anderen Dienst im Ausland (ADiA) in Brasilien gemacht. Vier Jahre später engagiert er sich wieder freiwillig in Lateinamerika. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires unterstützt er das Freiwilligenprogramm der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata (IERP). Wir haben ihn gefragt, warum das Thema Freiwilligendienst für ihn so wichtig ist.

Gottfried, wie kommt es, dass Du Dich nach Deinem Freiwilligendienst wieder ehrenamtlich in Lateinamerika engagierst?

Gottfried M.
Ich habe mich schon immer ehrenamtlich engagiert, das ist irgendwie selbstverständlich für mich. Foto: Daniela Heblik

Gottfried: Ich habe mich schon immer ehrenamtlich engagiert, das ist irgendwie selbstverständlich für mich. Ich interessiere mich für Jugendarbeit und Politik. Bei den Pfadfindern war ich als Jugendleiter aktiv. Während meines weltwärts-Dienstes habe ich in Porto Alegre in einer Tagesstätte Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren vor und nach der Schule betreut. Bei der Rückkehrervereinigung grenzenlos habe ich mich für eine Reverse-Komponente eingesetzt, also dafür, dass Menschen aus anderen Ländern auch einen Freiwilligendienst in Deutschland machen können. An der Uni arbeite ich in der Gruppe Lupe (Lust auf Politik und Entwicklung) mit, dort beschäftigen wir uns unter anderem mit alternativen Wirtschaftsansätzen.

Als ich mir im Rahmen meines Studiums der Kulturwirtschaft einen Praktikumsplatz suchen musste, war für mich klar, dass ich mich im Bereich der Freiwilligenarbeit engagieren möchte. Ich habe selbst erlebt, dass der Freiwilligendienst in einer anderen Kultur sehr viele Lernmöglichkeiten bietet. Gerade durch die persönliche Freiheit, die man als Freiwilliger genießt, kann man viele Dinge hinterfragen und lernen.

Und wie bist Du in Buenos Aires gelandet?

Gottfried: Ich wollte die Freiwilligenarbeit aus einer anderen Perspektive kennenlernen, da ich mir vorstellen könnte später in diesem Bereich tätig zu werden. Dabei war es mir wichtig, dass die Organisation, in der ich mein Praktikum mache, nicht nur Freiwillige aus Deutschland aufnimmt, sondern auch eine Reverse-Komponente anbietet. Denn ich glaube, dass alle Menschen voneinander lernen können. Mein Bruder hatte seinen Freiwilligendienst in Buenos Aires gemacht. So bin ich auf die IERP gekommen, die bereits viel Erfahrung damit hat, argentinische Freiwillige nach Deutschland zu entsenden.

Erzähl uns etwas von Deinem Praktikum

Gottfried: Mein Studium sieht nur ein einmonatiges Pflichtpraktikum vor. Ich habe mich entschieden, ein Jahr in Buenos Aires zu bleiben und einen Freiwilligenjahrgang komplett zu begleiten. Ich bin seit August hier, im September habe ich an den Auswahlgesprächen für die argentinischen Freiwilligen teilgenommen. Der Auswahlprozess war sehr ähnlich zu dem Verfahren, das ich selbst als Bewerber durchlaufen habe. Auch die Motive waren ähnlich. Die argentinischen Freiwilligen möchten in erster Linie Auslandserfahrung sammeln und die deutsche Kultur kennenlernen. Viele haben die Vorstellung von Deutschland als einem Land, in dem die Dinge perfekt funktionieren. Das möchten sie gerne kennenlernen. Ich finde es wirklich mutig, dass sie einfach so für ein Jahr ins Ausland gehen. Mir ist aber auch klar geworden, wie wichtig eine gute Vorbereitung für einen gelungenen Freiwilligendienst ist.

Im Moment unterstütze ich die IERP bei der Durchführung der weltwärts-Partnerkonferenz. Und im Januar werde ich bei den Zwischenseminaren für die Freiwilligen helfen.

Der Freiwilligendienst ist für Dich also eine prägende Erfahrung?

Gottfried: Ich weiß noch nicht genau, was ich nach dem Studium machen werde. Der Freiwilligendienst hat aber sicher meine Studienwahl beeinflusst. Ich studiere Kulturwirtschaft mit Schwerpunkt Lateinamerika in Passau. Dadurch habe ich nicht nur einen Wirtschaftsschwerpunkt, sondern auch weiterhin einen internationalen Bezug, was mir wichtig ist.

Außerdem studiere ich interkulturelle Philosophie, in meiner Bachelor-Arbeit vergleiche ich philosophische Ansätze verschiedener Kulturräume. Der Freiwilligendienst hat mich dafür sensibilisiert, mich und meine Blickweise ständig zu hinterfragen. Ich bin in einen Prozess geraten, der mich als Fragenden hinterlässt und nicht als jemand, der jetzt weiß, wie die Dinge laufen.

Das Interview hat Daniela Heblik im Rahmen der weltwärts-Partnerkonferenz im Oktober 2014 in Buenos Aires geführt.