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Freiwillige sensibilisieren für den Reichtum der Mangroven

Ecuador: Gemeinsam werden bessere Lebensbedingungen für die Fischerfamilien geschaffen

Gerónimo Vera ist Vorsitzender der Asociación de Usuarios de Manglar Cerrito de los Morreños AUMCM, einem Zusammenschluss von Mangroven-Fischern im Golf von Guayaquil (Ecuador). In dem sensiblen Ökosystem ist der Schutzwaldverein aktiv, um die Mangroven vor der Zerstörung durch Rodung und Garnelenzucht zu bewahren und andererseits die Lebensbedingungen der hier lebenden Menschen zu verbessern.

Insgesamt fünf weltwärts-Freiwillige leben in den verschiedenen Gemeinden und unterstützen Projekte zur besseren Gesundheitsversorgung in den abgelegenen Siedlungen, zur Trinkwasseraufbereitung, zum Umwelt- und Ressourcenschutz oder zur Müllentsorgung.

Welche Eigenschaften sollten Freiwillige aus Ihrer Sicht mitbringen?
Gerónimo Vera: Das ist eine schwierige Frage. Manchmal suchen wir spezifische Profile wie beispielsweise Krankenpfleger, Erzieher oder jemanden mit IT-Kenntnissen. Aber wenn sich niemand mit den gesuchten Qualifikationen findet, improvisieren wir. Wir benötigen immer Unterstützung für die verschiedenen Projekte unserer Gemeinde. Alle Freiwilligen mit denen wir bislang zusammengearbeitet haben, haben ihre Aufgaben sehr gut gemacht. Wichtiger als Qualifikationen oder Erfahrung ist die Bereitschaft, sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen und sich an uns anzupassen.

Welchen Beitrag konnten die weltwärts-Freiwilligen in den Mangroven-Gemeinden leisten?
Gerónimo Vera: Es ist unglaublich, welchen Wandel die Freiwilligen im Schutzgebiet der Mangrovenwälder Cerrito de los Morreños hervorgerufen haben. Bevor die Freiwilligen hier waren, gab es wenig Partizipation in der Gemeinschaft, nun kommen die Fischerfamilien mit eigenen Ideen zur weiteren Entwicklung der Region. Die Anwesenheit der Freiwilligen führte zu einem umfassenden Wandel im Bewusstsein: Die Gemeinden lernen plötzlich den natürlichen Reichtum des einzigartigen Ökosystems ihrer Umgebung zu schätzen. Sie formulieren den Anspruch auf ein besseres Leben jenseits reiner Konsumorientierung und dem Vergleich mit dem komfortableren Leben in den Städten. Durch die verschiedenen Kooperationsprojekte, in denen Freiwillige zusammen mit lokalen Gemeindevertretern und -vertreterinnen arbeiten, erhalten sie Selbstbestätigung und die Anerkennung ihrer Fähigkeiten. Denn sie merken, dass sie selbst den Freiwilligen viel beibringen können. Alleine die Tatsache, dass die Freiwilligen von soweit herkommen, um ausgerechnet hier etwas zu bewegen, motiviert die Gemeinden. Sie wachen aus der teils verbreiteten Gleichgültigkeit auf und durch die gemeinsame Arbeit wachsen die verschiedenen Gemeinden im Golf von Guayaquil näher zusammen.

Bildergalerie

Cerrito ist eine der Fischergemeinden im Golf von Guayaquil, in denen der Schutzwaldverein aktiv ist. Copyright Schutzwaldverein
Cerrito ist eine der Fischergemeinden im Golf von Guayaquil, in denen der Schutzwaldverein aktiv ist. Copyright Schutzwaldverein
Vor dem Bau des Trinkwassersystems wurde in Cerrito das Wasser in offenen Tonnen gespeichert. Copyright Schutzwaldverein
Vor dem Bau des Trinkwassersystems wurde in Cerrito das Wasser in offenen Tonnen gespeichert. Copyright Schutzwaldverein
Alles, was benötigt wird, muss mit dem Boot durch den Mangrovenwald zur Insel transportiert werden. Copyright Schutzwaldverein
Alles, was benötigt wird, muss mit dem Boot durch den Mangrovenwald zur Insel transportiert werden. Copyright Schutzwaldverein
Ein weltwärts-Freiwilliger hilft beim Bau des neuen Trinkwassersystems, hier beim Verlegen der Leitungen. Copyright Schutzwaldverein
Ein weltwärts-Freiwilliger hilft beim Bau des neuen Trinkwassersystems, hier beim Verlegen der Leitungen. Copyright Schutzwaldverein
Gemeinsam werden die Wassertanks an ihren Bestimmungsort gebracht. Copyright Schutzwaldverein
Gemeinsam werden die Wassertanks an ihren Bestimmungsort gebracht. Copyright Schutzwaldverein
Die Wassertanks werden am Ortsrand aufgestellt. Copyright Schutzwaldverein
Die Wassertanks werden am Ortsrand aufgestellt. Copyright Schutzwaldverein
Das Wasser wird vom Festland zur Insel transportiert. Copyright Schutzwaldverein
Das Wasser wird vom Festland zur Insel transportiert. Copyright Schutzwaldverein
Die neue Wasserzapfstelle wird zum Treffpunkt für die Gemeinde. Copyright Schutzwaldverein
Die neue Wasserzapfstelle wird zum Treffpunkt für die Gemeinde. Copyright Schutzwaldverein

Welche positiven Impulse gingen von weltwärts über den Freiwilligeneinsatz hinaus für Sie aus?
Gerónimo Vera: Wir haben von den Freiwilligen viel über das Organisieren gelernt, dies ist für uns ein positiver Aspekt der Entwicklung in Europa. Die Freiwilligen lernen dagegen von uns das Improvisieren, also kurzfristig und auch mit wenigen Ressourcen viel auf die Beine zu stellen. Diese Fähigkeit beeindruckt die Freiwilligen immer wieder und es findet ein gegenseitiges Lernen statt. Viele Initiativen werden nach anfänglichen Impulsen durch einzelne Freiwillige von lokalen GemeindevertreterInnen weitergeführt. So haben Freiwillige beispielsweise vor Jahren ein Wasserversorgungssystem mit Reservoirs und Tanks aufgebaut, welches inzwischen von der Gemeinde autonom verwaltet wird. Ein anderes Beispiel ist die Ausbildung von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen zu den Themen Gesundheit und Umweltschutz, die inzwischen ebenfalls selbstständig ihre Arbeit fortsetzen und weitere Gemeindemitglieder schulen. Auch auf einer anderen Ebene hat das weltwärts-Programm positive Impulse gebracht: Die Anwesenheit der Freiwilligen hat in unseren Gemeinden, die sehr abgelegen und vom Staat vergessen sind, die Akzeptanz für Fremde erhöht. Auch das Tourismusministerium ist nun auf uns und unsere Arbeit aufmerksam geworden und hat begonnen, mit uns einen ökologisch und sozial sensiblen Tourismus in der Region zu entwickeln. Die Gemeinden, in denen wir mit den Freiwilligen arbeiten, sind Pilotprojekte für den Tourismus. Die positive Resonanz und der Erfolg der gemeinsam gestarteten Projekte erleichtern schließlich sogar unsere Verhandlungen mit staatlichen Autoritäten wie zum Beispiel dem Umweltministerium zur weiteren Gestaltung der Schutzwaldkonzession. Zu solchen Verhandlungen nehmen wir inzwischen die Freiwilligen mit; sie stellen sich dort nicht in den Vordergrund, geben aber wichtige Anstöße.

Was können die Rückkehrer und Rückkehrerinnen aus Ihrer Sicht in Deutschland bewirken?
Gerónimo Vera: Sie sollten sich engagieren und für eine wachsende Zahl von Mitgliedern in unserer Entsendeorganisation, dem Schutzwaldverein, und ähnlichen Organisationen werben. Sie kennen nun unser Land und das Projekt und können ihre Erfahrungen in Deutschland einbringen. Viele Freiwillige tun dies und unterstützen oftmals auch einige der begonnen Kleinprojekte nach ihrer Rückkehr weiter oder helfen Unterstützung für Tourismus in die Region zu gewinnen. Sie werden Teil unserer lokalen Gemeinden.

Zukünftig soll es auch Süd-Nord-Freiwillige geben - ein Pilotprojekt dazu wurde gestartet. Könnten Sie sich vorstellen, sich daran als Entsendeorganisation zu beteiligen? Welche Möglichkeiten sehen Sie hier für Ihre Organisation?
Gerónimo Vera: Das können wir uns generell gut vorstellen. Es wäre sehr beeindruckend, wenn auch unsere engagierten jungen Leute die Erfahrungen eines Freiwilligendienstes in Deutschland machen könnten! Sie könnten Eindrücke über die Kultur, Werte und auch wirtschaftliche Aspekte in Deutschland gewinnen und diese zurück in ihre Herkunftsländer bringen. Das würde für uns den Geist der Kooperation und des Austausches stärken. Wir müssen dazu mit allen unseren Partnern die Regeln besprechen und schauen, ob wir die Erwartungen erfüllen.

Das Interview wurde von Daniela Schuster (Engagement Global) geführt.