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Wasser für Gocha und Gomole

Portrait Felix D.

Rückkehrer Felix engagiert sich für einen Brunnen

Felix Dörr studiert nach seinem Freiwilligendienst Bauingenieurswesen am Karlsruher Institut für Technologie. In der Hochschulgruppe Engineers Without Borders engagiert er sich für ein Trinkwasserprojekt in Äthiopien.

Der Weg zum Wasserhahn: zwei Stunden Fußmarsch

Es ist ein langer Fußmarsch durch die Berge, den die Mädchen zurücklegen müssen.
Es ist ein langer Fußmarsch durch die Berge, den die Mädchen zurücklegen müssen. Foto: Felix Dörr.

Der Wecker klingelt: duschen, Kaffee trinken, Zähne putzen. So starten Millionen Menschen in den Tag. Wie sieht aber ein Morgen aus, wenn der Weg zum Wasserhahn zwei Stunden Fußmarsch beträgt?

In der südäthiopischen Region Konso gehört das Wasserholen zum Alltag junger Mädchen. Tag für Tag füllen sie große Kanister für den Tagesbedarf der gesamten Familie an der sechs Kilometer entfernten Wasserstelle auf und schleppen die schwere Last über die Berge zurück ins Dorf. Das hat nicht nur gesundheitliche Schäden zur Folge. Das Wasserholen nimmt den Mädchen auch die Zeit, um in die Schule zu gehen und damit die Chance auf eine Schulausbildung.

Mit dem Wasser muss sehr sparsam umgegangen werden. Oft steht nicht mehr als ein Kanister Wasser für eine ganze Familie zur Verfügung. Besonders in der Trockenzeit ist die Wasserversorgung der Menschen nicht gewährleistet. Die Wasserstellen sind trocken oder nur mit wenig, verschmutztem Wasser gefüllt.

Die Lösung: Trinkwasserbrunnen für die Dörfer Gocha und Gomole

Felix hofft, dass der Trinkwasserbrunnen dazu beiträgt, dass mehr junge Menschen im Dorf bleiben.
Felix hofft, dass der Trinkwasserbrunnen dazu beiträgt, dass mehr junge Menschen im Dorf bleiben. Foto: Felix Dörr.

„Wasser ist das wertvollste Gut der Erde. Deshalb sind wir der Überzeugung, dass jeder Mensch auf dieser Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser haben muss“, erklärt Felix. Aus dieser Motivation heraus entstand das Gomole Water Project, mit dem die Hochschulgruppe einen solarbetriebenen Trinkwasserbrunnen bauen und die Dörfer Gomole und Gocha mit Wasser versorgen will. Dadurch soll die Lebensqualität von mehr als 5.500 Menschen verbessert werden.

„Als Projektteam der studentischen Hochschulgruppe sind wir nicht nur daran interessiert, die technische Umsetzung des Projekts zu planen, sondern vor allem ein nachhaltiges und gerechtes Konzept gemeinsam mit lokalen und internationalen Hilfsorganisationen, den örtlichen Behörden und der Bevölkerung zu entwickeln“, führt Felix aus. Dabei steht vor allem eine zuverlässige Wartung und Instandhaltung im Mittelpunkt der Arbeit des Teams. Dafür ist ein sensibles kulturelles Verständnis notwendig, das Felix während seines Freiwilligendienstes und späteren Äthiopienreisen erlangen konnte.

Gemeinsam mit zwei weiteren Projektmitgliedern konnte Felix im Frühling vor Ort die Verantwortungsbereiche und Kostenaufteilung mit den Kooperationspartnern vor Ort erarbeiten. So übernimmt die NRO Konso Development Association die Planung, Umsetzung und Finanzierung aller Rohrleitungssysteme. Die lokale Wasserbehörde hat ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das bereits einen geeigneten Standort ermittelt hat. Den Betrieb des Brunnens wird ein Komitee aus geschulten Dorfbewohnern und -bewohnerinnen regeln und überwachen. Die Berechnungen und Konstruktionen der Solaranlage, der Speicherzisternen sowie des Verteilungskonzepts erarbeiteten die Studenten der Hochschulgruppe. In alle Planungsschritte sind König Kalla, das Oberhaupt der Konso sowie Vertreter der Dorfältesten eingebunden. (Finanzierung mittlerweile Abgeschlossen).

Konso: Eine der ältesten Kulturen der Menschheit

Projektmitglieder treffen König Kalla.
Projektmitglieder treffen König Kalla. Foto: Felix Dörr.

Die Region Konso und die gleichnamige Volksgruppe blicken auf eine der ältesten Kulturen der Menschheitsgeschichte zurück. Wie seit Tausenden von Jahren bewirtschaften die Bauern auch heute noch das Hochland im Terrassenbau mit Pflug und Sichel. Viele junge Menschen wandern heut jedoch in die Städte aus, weil sie dort ihre Zukunftsperspektive sehen. Felix hofft, dass der Bau des Brunnens dazu beitragen kann, der Landflucht entgegenzuwirken und die Autonomie und Kultur der Konso zu erhalten.

Der Bau des Brunnen kostet insgesamt knapp 60.000 Euro. Du kannst das Gomole Water Project mit einer Spende unterstützen.