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Fundación Oxenford: den Menschen dienen

Freiwilligendienst in einer besonderen Einrichtung

Bei der Fundación Oxenford in Argentinien finden die Menschen Hilfe, die sonst keine Anlaufstelle haben. Geführt wird die Stiftung von der Laienschwester Ana Oxenford, die ihr gesamtes persönliches Vermögen eingebracht und 30 Einrichtungen im gesamten Land gegründet hat. Ana Oxenford prägt die Arbeit mit ihrer sehr eigenen Denk- und Handlungsweise und der Freiwilligendienst in dieser Einrichtung ist auf alle Fälle eine sehr bereichernde Erfahrung. Der Bericht entstand im Rahmen eines Projektbesuchs.

Auf eine akute Notlage reagieren

Wenn Ana Oxenford spricht, dann tut sie das mit Leib und Seele. Sie springt von Thema zu Thema, zitiert Therapeuten, Philosophen und die Bibel, der hagere Oberkörper schnellt dabei auf den Gesprächspartner zu, die Hände machen weit ausholende Bewegungen und das große Holzkreuz vor dem Bauch gerät ins Schlingern. "Bei mir gibt es kein Projekt", erzählt sie, "sondern nur eine demanda espontanea", also einen Notfall.

Was sie meint ist, dass die Fundación Oxenford in Argentinien nicht Schwerpunkten, übergeordneten Zielen und Strategien folgt. Der Mensch in seiner akuten Notlage und mit seinen individuellen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt der Arbeit. "Ich arbeite wie eine Zentrifuge von innen nach außen“, erklärt sie, „über das Opfer versuche ich auf die Familie zu wirken und über die Familie auf die Gemeinschaft."

Opfern helfen

Das mag erst mal befremdlich klingen. Tatsache ist: Es gibt sie, die Drogenabhängigen in der Beschaffungskriminalität, die AIDS-Kranken in den Gefängnissen, die Kinder und Jugendlichen, die aus anderen Heimen rausgeflogen sind, die mittellosen Alten ohne Familie und die misshandelten Frauen, die keinen Ort haben, wenn die Frauenhäuser in den Ferien schließen. Alle diese Menschen finden in einer von 30 über das Land verteilten Einrichtungen der Fundación Oxenford Obhut und Unterstützung. Manche werden von einem Richter oder einer Behörde eingewiesen, andere wenden sich selbst an die Stiftung. Für Ana sind sie alle Opfer der Gesellschaft, so wie Diego.

Bildergalerie

Araceli hat mit ihrer Tochter bei der Fundación Oxenford Zuflucht gefunden. Foto: Daniela Heblik
Araceli hat mit ihrer Tochter bei der Fundación Oxenford Zuflucht gefunden. Foto: Daniela Heblik
Mit einer Glasscherbe entfernt Diego die Lackreste eines Tisches. Foto: Daniela Heblik
Mit einer Glasscherbe entfernt Diego die Lackreste eines Tisches. Foto: Daniela Heblik
Die Freiwilligen Philipp und Leander berichten ihrer Mentorin über die ersten Monate des Dienstes. Foto: Daniela Heblik
Die Freiwilligen Philipp und Leander berichten ihrer Mentorin über die ersten Monate des Dienstes. Foto: Daniela Heblik

Nehmen und geben

Diego war vor vier Jahren bereits bei Ana in Behandlung, vor einem Monat stand er wieder um Hilfe suchend vor ihrer Tür. Welches Schicksal ihn dorthin geführt hat, mag seine Geschichte bleiben. Ihm ist jedoch anzusehen, dass es ihm hier gut geht. Er wirkt ausgeglichen und gefestigt. Mit viel Geduld schleift er Tische ab, die neu gestrichen werden müssen. "Schau, hier sind noch alte Lackreste übrig", zeigt er, "deshalb trage ich noch ein Mittel auf, dass mir hilft, auch die letzten Reste abzukratzen. Ich mache alle Arten von Malerarbeiten, aber am liebsten arbeite ich mit Holz."

So wie Diego tragen alle auf ihre Art und Weise zur Arbeit der Stiftung bei. "Wie kann ich Dir helfen, werde ich von den Menschen, die bei mir leben, oft gefragt", erzählt Ana. "Ich sage dann immer: Was Du willst. Jeder, der bei mir lebt, kann mich auf seine Weise freiwillig, also frei nach eigenem Willen, unterstützen. Aber jemand, der gar nichts will, kann hier nicht bleiben."

Die eigene Überzeugung leben

Hier in Benavidez, etwa eine Stunde von Buenos Aires entfernt, lebt Ana mit einer wechselnden Zahl von notleidenden Menschen in einer familiär geführten Einrichtung. Von hier aus verwaltet sie die Stiftung nach den Regeln des Evangeliums.

Ana hat sich von ihrer wohlhabenden und einflussreichen Familie losgesagt und den Namen ihrer Großmutter angenommen, die ebenfalls karitativ tätig war. Ihr gesamtes Vermögen, ein Vermögen mit vielen, vielen grünen Nullen, wie sie sagt, ist in die Fundación Oxenford eingeflossen. Staatliche oder internationale Unterstützung nimmt Ana nicht an. Denn sie glaubt, dass die ethische Qualität ihrer Arbeit durch einen externen Finanzgeber leiden könnte.

Die Arbeit der Stiftung ist vielfältig. Wohnungslose Familien erhalten ein Dach über dem Kopf. Mittellose Menschen werden mit kostenlosen Medikamenten, Kleidern und Büchern versorgt. Drogenabhängige und Menschen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen, werden aufgenommen und können eine Therapie beginnen.

Selbstwertgefühl entwickeln

Ana arbeitet nach der Schule des Wiener Psychologen Viktor Frankl, der die geistige Dimension des Menschen in den Blick nimmt und sein Streben nach Sinn im Leben als dessen primäre Motivationskraft betrachtet. "Die Menschen, die zu mir kommen, sind zerstört, sie fühlen sich selbst nicht mehr", erzählt Ana. Dieser Zerstörung setzt Ana die "Therapie des Wortes" gegenüber, wie sie das nennt. Im Gespräch hilft sie den Patienten und Patientinnen das Geschehene aufzuarbeiten, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln und einen Lebenssinn zu entdecken.

Die Stiftung als Freiwilliger unterstützen

Rund 300 argentinische Freiwillige unterstützen die Stiftung. Seit 2013 leisten über IN VIA Köln auch je zwei weltwärts-Freiwillige ihren Dienst bei der Fundación Oxenford. Sie arbeiten nicht mit den Patienten und Patientinnen, sondern übernehmen ganz praktische Aufgaben, wie den Bau eines Gewächshauses, die Arbeit im Gemüsegarten, die Herstellung von einfachen Fenstern und Türen oder Möbeln und Spielzeug für Bedürftige. Auch die Holzvertäfelung in der Küche muss neu gemacht werden.

"Hier gibt es immer was zu tun", erzählen Philipp und Leander. Die beiden sind seit Ende August in Benavidez und leben mit Ana und ihren Schützlingen in der Einrichtung. "Wir können uns den Tag frei einteilen. Das ist schön, aber man muss auch lernen sich selbst zu organisieren." Mit den anderen Menschen, die bei Ana leben, haben sie erst vorsichtige Kontakte aufgenommen, die Spanischkenntnisse müssen sich erst noch verbessern.

Ana möchte Entwicklungsmöglichkeiten geben. "Ich lasse den Freiwilligen Freiheit", sagt sie. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, was gut ist. Und dann zitiert sie den Philosophen Kant mit ihren eigenen Worten: "Gut kann nur sein, was für alle gut ist." Mehr Grenzen möchte Ana nicht setzen. "Gibt es eigentlich auch etwas, worüber Du Dich richtig ärgern kannst?", möchten wir wissen. Ana lacht aus vollem Hals: "Über meine eigenen Fehler", ist ihre Antwort.