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"Ich bin froh, Deutschland und seine Jugend kennengelernt zu haben"

Portrait Agbeko Kodjo

Eindrücke einer Deutschlandreise

Agbeko Kodjo ist Geschäftsführer der Vereinigung ADICH (Association pour le Développement Intégral de la Communauté Houdou) in Togo, bei der zwei junge Frauen einen weltwärts-Dienst leisten. Anlässlich der Konferenz „weltwärts bewegt!“ in Stuttgart besuchte Agbeko Kodjo Deutschland. In seinem Bericht schildert er die Eindrücke seiner Reise.

Engagement für die Gemeinde Atakpamé

Unsere Organisation ADICH wurde vor über 20 Jahren von besorgten Houdous gegründet, die die Lebensbedingungen ihrer Gemeinde Atakpamé verbessern wollten. Die 50 Mitglieder des Vereins, darunter ein Drittel Frauen, arbeiten an der Verbesserung der Grundversorgung der Gemeinde und der Förderung der beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven Jugendlicher und junger Erwachsener. Brunnenbau, Latrinenprojekte, Aufforstung und die Unterstützung von Schulen dienen der nachhaltigen Entwicklung und liefern einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung in der Gemeinde. Wir arbeiten seit vier Jahren mit dem Lycée Français de Düsseldorf und dem Verein Lernen-Helfen-Leben zusammen.

Wir begrüßen den Einsatz von weltwärts-Freiwilligen

Dank unserer Partnerschaft mit dem französischen Gymnasium Düsseldorf und Lernen-Helfen-Leben e.V. kamen wir in Kontakt mit dem Eine Welt Netz NRW und empfingen im August 2012 zwei weltwärts-Freiwillige. Hanne und Hannah haben sich schnell in das Leben ihrer Gastfamilien integriert. Mit Begeisterung haben sie sich zunächst in einem Kindergarten und dann in einem Bewährungszentrum für schwierige Jugendliche sowie in einem Alphabetisierungsprogramm für Erwachsene engagiert. Von Anfang an haben sie uns die Bedeutung der Begriffe Freiwilligkeit und Engagement demonstriert. Sie waren sehr neugierig auf die Kultur meines Landes und haben schnell den Wunsch geäußert, Erfahrungen mit den Menschen vor Ort zu sammeln.

Zur „weltwärts bewegt!“-Konferenz bin ich nach Stuttgart gereist. Ich war erstaunt über die Anzahl der Partnerorganisationen, die aus Togo, Ghana, Uganda, Indien, Tansania, Südafrika, Vietnam, den Philippinen, Peru, Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Nicaragua kamen. Die Beiträge der ehemaligen Freiwilligen in den Foren und Workshops zeigten mir, wie viel Energie und Engagement diese jungen Leute in ihren Freiwilligendienst gesteckt haben. Nach der Konferenz konnte ich mit Mitarbeiterinnen des Eine Welt Netz NRW über konkreten Aspekte des Freiwilligendiensts sprechen und die beiden zukünftigen weltwärts-Freiwilligen kennenlernen, die ab August ein Jahr in Togo verbringen werden. Wir begrüßen es sehr, dass das Eine Welt Netz NRW uns Freiwillige vermittelt.

Vergleich der Bildungssysteme

Bild Agbeko Kodjo mit einer Schulklasse
Die Reise war für Agbeko Kodjo Gelegenheit, sich einen Eindruck von Schulen in Deutschland zu verschaffen. Foto: Chantal Klöcker

Mein Aufenthalt war auch Gelegenheit die Rudolf Steiner Schule, das Franz Jürgen Berufskolleg, sowie das Lycée français in Düsseldorf zu besuchen. Ich war ganz besonders begeistert vom Engagement der französischen Schule. Aber vor allem hat mich Deutschland fasziniert und ich habe unvergessliche Erinnerungen hier gesammelt.

Während der Vorträge, die ich in diesen drei Einrichtungen gehalten habe, konnte ich feststellen, wie andersartig die Bildungsbedingungen sind. Die entspannte Atmosphäre des Unterrichts überraschte mich und ich kam nicht umhin einen Vergleich mit unseren togoischen Schulen zu ziehen: Hier basieren die Lehrmethoden auf der Autonomie und Neugier der Schüler sowie der Fähigkeit der Lehrkräfte zukünftige Bürger heran zu bilden. Bei uns ist der Unterricht in erster Linie frontal, die Schülerzahlen sind sehr groß und die Ausstattung ist sehr begrenzt.

Ich stand gerne Rede und Antwort bei Fragen zu meinem Land, seinen Gebräuchen, seinen Lebensbedingungen, seiner politischen und wirtschaftlichen Situation, und, und, und… Die Schüler waren außerordentlich überrascht über die von mir geschilderten hygienischen Bedingungen und die niedrigere Lebenserwartung in Togo. Die Kinder der dritten Klasse sagten mir, sie würden gerne auch nach dem Hissen der Nationalfahne im Gleichschritt in die Klasse gehen, aber sie möchten nicht geschlagen werden, vor allem nicht in der Öffentlichkeit, wie es leider oft in den togoischen Schulen geschieht.

Weltwärts ist zu wenig bekannt

Ich konnte auch über das weltwärts-Programm sprechen, an dem die Schüler und Schülerinnen sehr interessiert waren. Ich habe festgestellt, dass sie bezüglich der Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts nicht sehr gut informiert waren und habe ihnen den Blog von Hannah vorgeschlagen. Ich werde außerdem in Kontakt mit ihren Lehrern bleiben. Vielleicht werden einige dieser Schüler zukünftige weltwärts-Freiwillige sein?

Am Schluß möchte ich noch betonen, wie glücklich ich bin, diese Reise nach Deutschland angetreten zu haben und möchte mich ganz herzlich bedanken für diese Möglichkeit, Deutschland und seine Jugend kennen zu lernen.